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Fünfzehntes Buch. Viertes Kapitel.
sammen. Das aber sind die Gesichtspunkte, an welche der
Augsburger Reichstag und der Augsburger Religionsfrieden
des Jahres 1555 angeknüpft haben.

Kurfürst Moritz hatte große Schwierigkeiten gehabt, das
schließliche Ergebnis der Verhandlungen seinen Mitverbündeten
genehm zu machen; war er selbst doch mit den vom Kaiser durch—
gesetzten Veränderungen des Vertrages keineswegs zufrieden. Dabei
hörte man, daß der Kaiser, nun ganz aus'seiner Unthätigkeit er—
wacht und von Spanien her mit Geld versehen, energisch rüste.
In der That erschien er bald von Südosten her im Lande;
und in den großen Reichsstädten des Südens, die sich den
Fürsten längst ungünstig gezeigt hatten, in Augsburg, in Ulm,
ward er aufs feierlichste empfangen. Freilich war das nur
möglich, indem er auf die Durchführung seines kirchlichen
Programms einstweilen verzichtete und nur den Gegensatz zu
den Fürsten betonte; er hat die evangelische Predigt in Augs—
burg und Ulm geduldet; von dem verunglückten Interim des
Jahres 1548 war kaum noch die Rede.

Und auch außerhalb der städtischen Kreise handelte der
Kaiser einstweilen nur im Sinne eines scharfen Vorgehens
gegen die Fürsten. In dieser Hinsicht war ihm jedermann
willkommen, der sich mit ihm gegen die Passauer Vertragsmächte
wandte, mochte er sogar evangelisch sein und sich dessen be—
kennend rühmen.

Nun hatte Markgraf Albrecht von Brandenburg-Culmbach
von Anbeginn im mauricianischen Bunde eine eigenartige
Stellung eingenommen. Ein gewissenloser fürstlicher Condottiere,
groß geworden in den uralten Händeln der fränkischen Hohen—
zollern mit Nürnberg, keinem anderen Ziel, als dem materiellen
Verdienst in Kriegsraub und Plünderung hingegeben, hatte er
mit Moritz ein Einverständnis nur gesucht, um die reichen
fränkischen Stifter mainabwärts sicherer zu brandschatzen. Natür—
lich kam ihm da der Passauer Vertrag wenig bequem, zumal er