Kämpfe der Protestanten; Religionsfriede von 1555. 455
seine vermeintlichen Eroberungen nicht bestätigte; er hat ihn
nicht anerkannt; er plünderte weiter nach Lothringen zu, 'er
dachte an einen Anschluß an den französischen König.

In diesem Augenblick machte der Kaiser mit dem fürst—
lichen Mordbrenner Frieden! Die Welt war darüber höch—
lichst erstaunt; der Schritt bedeutete das volle Aufgeben der
kirchlichen Position des Kaisers; selbst geplünderte Bischöfe
fanden den Schutz des Reiches nicht mehr! Freilich erschien
damit Karl im Vorteil, wenn er sich etwa zunächst zur
Bekämpfung des französischen Verbündeten des Fürstenbundes
wenden wollte, in der Absicht, nach dessen Besiegung die Ord—
nung der inneren Verhältnisse Deutschlands in seinem Sinne
in die Hand zu nehmen.

Gegen Schluß des Jahres 1552 zog Karl gegen König
Heinrich; die Wiedereroberung von Metz sollte ihm freie Luft
schaffen. Allein die Belagerung zog sich hin; Anfang Januar
1553 mußte sie unvollendet abgebrochen werden; der erste
Schritt zur Herstellung der alten Autorität war mißlungen.

Inzwischen war Kurfürst Moritz, seinem früheren Ver—
sprechen gemäß, mit König Ferdinand nach Ungarn in den
Kampf gegen die Türken gezogen. Deutschland war dadurch
gleichsam frei und aufsichtslos; es war ein Moment, der so recht
für eine erneute Thätigkeit des Markgrafen Albrecht geschaffen
schien. Der Markgraf kehrte nach Franken zurück, noch immer
im Bunde und Schutze des Kaisers; alle seine Gegner, vor
allem die fränkischen Bischöfe, zitterten. Diese Not zunächst
trieb jetzt die süddeutschen Fürsten zu dem Vereine von Heidel—
berg vom 29. März 1553; in ihm verbanden sich Bayern,
Württemberg, Pfalz, Jülich, Mainz und Trier, Katholiken
wie Protestanten gleichmäßig zum gegenseitigen Schutz ihres
Besitzstandes; es war ein völlig interkonfessioneller Bund, der
seine Spitze zunächst gegen Albrecht, mittelbar aber auch gegen
den Kaiser richtete.

Aber Markgraf Albrecht ließ sich dessen nicht verdrießen.
Vom Kaiser, der eine äußerst zweideutige Haltung nach wie

Lamprecht, Deutsche Geschichte. V. 2. 30