66 fünfzehntes Buch. Viertes Kapitel.
vor bewahrte, wenigstens thatsächlich nicht gehindert, stürzte er
sich auf seine Feinde, namentlich die Bischöfe; in furchtbarer
Fehde brannte er Hunderte von fränkischen Dörfern aus; es
war das Hausen eines Verbrechers. Und schon reckten sich
seine Gedanken höher. Bisher ein Bundesgenoß des Kaisers,
doch dessen nicht mehr völlig sicher, wollte er sich mehr auf die
evangelischen Sympathien Mittel- und Norddeutschlands stützen,
soweit diese dem Kurfürsten Moritz abgünstig waren. So hoffte
er besonders auf die Freundschaft der Ernestiner in Thüringen,
vornweg des gealterten Johann Friedrich, der sich noch immer
einen geborenen Kurfürsten nannte und Gotha stark befestigt
hatte, ja er wollte als Retter des protestantischen Adels und
Bürgertums vor der fortschreitenden Fürstengewalt überhaupt
auftreten, indem er zunächst in den Streitigkeiten der braun—
schweigischen Ritter und der Stadt Braunschweig gegen ihren
katholischen Herzog, den tollen Heinz, jenen zu Hilfe kam.
Allein diesen Bestrebungen, wie sie der Kaiser zur Ent—
wicklung einer vollen Anarchie im Reiche und zur gegenseitigen
Schwächung der Fürsten vielleicht nicht ungern sah, trat nun
alles entgegen, was eine ruhige Zukunft und den Sieg der
Fürstengewalt im Reiche erhoffte. Der süddeutsche Fürstenverein
zwar hielt sich einstweilen äußerlich noch ruhig, in seinem Innern
schon durch beginnende konfessionelle Gegensätze gelähmt; um so
mehr aber trat Kurfürst Moritz hervor, in dessen Nachbarschaft
Albrecht sein wüstes Heer geführt hatte, und mit ihm neben den
fränkischen Bischöfen, NJurnberg und Herzog Heinrich von Braun⸗
schweig auch König Ferdinand, der von den fränkischen Gegenden
her in Böhmen zuerst bedroht werden konnte; in einer Zusammen⸗
kunft zu Eger verabredeten sie gemeinsame Maßregeln gegen
den Wütenden. Im Sinne dieser Verhandlungen trat Moritz
an der Seite des Herzogs Heinrich von Braunschweig Albrecht
entgegen. Es kam zu dem für die Verbündeten siegreichen Gefecht
bei Sievershausen, am 9. Juli 1558. Allein der Sieg war
teuer erkauft. Neben anderen Fürsten ward Kurfürst Moritz
schwer verwundet; am 11. Juni starb er unter dem Rauschen
von mehr als 60 erbeuteten Feldzeichen des Feindes, zweiund—