Kämpfe der Protestanten; Religionsfriede von 1555. 457
dreißigiährig, der begabteste Sproß vielleicht des Hauses Wettin.
Aber noch im Tode hatte er das entscheidende Ereignis für die
föderalistische Fortentwicklung Deutschlands geschaffen. Zwar
war Markgraf Albrecht durch die Niederlage von Sievershausen
noch nicht völlig gedemütigt. Aber doch mußte er sich jetzt auf
sein fränkisches Heimatgebiet zurückziehen; seine Pläne schrumpften
zusammen, er ward am 1. Dezember 1553 — endlich — ge—
ächtet, und von den fränkischen Fürsten am 18. Juni 1554
auf der Heide zwischen Volkach und Kissingen besiegt, mußte
er sich zur Flucht nach Frankreich entschließen.

Es waren nur Folgeereignisse des Sievershäuser Gefechtes.
Und sie trugen durchaus den Charakter der mauricianischen
Politik. Die Fürsten sind es gewesen, die schließlich Albrecht
vertrieben und damit Ruhe in Deutschland geschaffen haben.
Und sie haben das gethan ohne irgend welche Rücksicht auf
ihre gegenfeitige Konfession, lediglich im Interesse ihrer Ruhe
und der ungehinderten Fortentwicklung der fürstlichen Präro—
gativen und Gewalten.

Karl V. sah die Wendung der Geister und der Ereignisse
in Deutschland in tiefer Entsagung. Er war alt geworden
und grau vor der Zeit; die Politik begann ihn anzuekeln als
ein Metier, das ihm selbst bei meisterhafter Ausubung die
Gewährung seiner höchsten Wünsche versagte. Wie weit ent—
fernt war er jetzt von der Besiegung des Protestantismus und
dem Aufbau einer absoluten Verfassung, von seinen universalen
Plänen nicht zu reden! Selbst die Wahl seines Sohnes Philipp
zum römischen König schien unerreichbar.

Er konnte nicht umhin, die Folgen eines verfehlten
politischen Lebens zu ziehen. Er verzichtete auf die Wahl
Philipps und suchte einen Ersatz für diese Enttäuschung, indem
er seinen Sohn mit einer Base, Maria der Katholischen von
England, vermählte; der Katholicismus, in Deutschland be—
stritten, sollte wenigstens in England durch spanische Hilfe eine
erneute Stätte finden. Er verzichtete ferner darauf, seine innere
Politik in Deutschland durchzuführen, indem er die Sorgen
der deutschen Regierung im Sommer 1554 seinem Bruder

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