458 Fünfzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Ferdinand übertrug: der sollte als römischer König selbständig
sein Glück mit den Deutschen versuchen. Darauf folgte
der Verzicht auch auf die niederländische Herrschaft, deren
weitere stellvertretende Führung Karls Schwester Maria im
Sommer 1555 abgelehnt hatte; thränenden Auges übergab der
Kaiser am 25. Oktober 1555 seinem Sohne die Regierung
über diese herrlichen Lande, deren Zukunft ihm an die Aus—
rottung der protestantischen Ketzerei gekettet schien. Es war
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völlig von Deutschland trennte, ähnlich wie durch die frühere Über—
weisung Neapels und Mailands an Philipp die uralte staat—
liche Einheit Italiens und Deutschlands ohne viel Aufsehens
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Spanien ab; am 1. Januar 1556 hat er auf die Krone auch
dieses Landes verzichtet, um seine ferneren Jahre, noch immer
ein eifriger Verfolger der politischen Händel Europas, in der
Einsamkeit des Klosters von San Yuste in Estremadura zu
verleben. Hier ist er, in Reue, die deutsche Ketzerei nicht als—
bald im Blute ihres Urhebers erstickt zu haben, am 21. Sep⸗
tember 1558 gestorben.

An Ferdinand J. war es inzwischen seit dem Sommer des
Jahres 1554, sich für Deutschland auf den Boden der einmal
geschaffenen Thatsachen zu stellen. Es bedurfte hierzu nach dem
Passauer Vertrag der erneuten Auseinandersetzung auf einem
Reichstag. Ferdinand hat ihn nach wiederholten Verzögerungen
zum 18. November 1554 nach Augsburg berufen; aber erst
am 5. Februar 1555 ward er eröffnet. Und alsbald zeigte
sich, daß die Verhandlungen nicht eben leicht verlaufen würden.

In den Vordergrund trat jetzt, nachdem die Versuche Karls,
die fürstliche Libertät zu brechen, abgewehrt waren, die religiöse
Frage. Zwar suchte die Proposition des Königs sie noch zu
umgehen, indem sie die Beratung eines allgemeinen Landfriedens
in den Vordergrund rückte. Allein die protestantischen Stände
waren nicht gewillt, so verfahren zu lassen. Sie waren mit Aus—
nahme des Herzogs von Württemberg, der alle Protestanten auf
dem Reichstag vertreten sollte, überhaupt gar nicht persönlich