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Sechzehntes Buch. Erstes Kapitel.
sie schließlich auch das formale Recht, so nützte ihnen doch
dessen Ausübung unter dem schwankenden Zustand der Reichs—
verfassung während der Religionskämpfe nur wenig. Hier galt
schließlich nicht mehr die Stimme, sondern das Schwert; und
unter dessen Herrschaft zogen die Städte ständig den Kürzeren,
obgleich sie die frühesten Herde der Reformation gewesen waren.
Schon bei den ersten konfessionellen Bundesbewegungen auf
protestantischer Seite traten sie in den Hintergrund?; da sie sich
in der neuen Welt dieser Vorgänge nicht angesehen fanden, so
wurden sie in ihrer Haltung unsicher?; und weil sie unsicher
wurden, so lhatten sie schließlich von beiden Seiten her, von
den Fürsten wie von dem siegenden Kaiser, für ihren Wankel—⸗
mut zu büßen?. Mit dem Ausgang des schmalkaldischen Krieges,
noch mehr seit dem Religionsfrieden des Jahres 1555, hatten
sie ihre selbständige Rolle ausgespielt; der niedere Adel, längst
besiegt und sozial gesunken, hat wohl im Jahre 1564 noch
einmal hier und da selbständig gemurrt; die Städte bildeten
um diese Zeit schon ein fast ausschließlich passives Element der
allgemeinen Entwicklung, das höchstens dann sich äußerte, wenn
s sich in seinem innersten Leben getroffen fand.

War so der große Gegensatz der politischen Entwicklung
des späteren Mittelalters beseitigt, wie er im wesentlichen auf
die besondere, rein örtlich partikulare Entfaltung der frühesten
Geldwirtschaft in Deutschland zurückging, waren die Fürsten
schließlich politisch allein auf dem Platze geblieben, so hatte
dazu außer ihrem Siege in dem jahrhundertelangen Kampfe
mit den Städten auch eine ganze Anzahl mehr untergeordneter
Ursachen beigetragen. Die Geldwirtschaft war seit der zweiten
Hälfte des 15. Jahrhunderts auch den Territorien nicht mehr
so fern geblieben, als früher; mit ihren eigenen Mitteln hatten
die Landesherren die ständischen Räte zu bekämpfen gelernt.
Die soziale Umsturzbewegung war seit dem 15. Jahr—

S. oben S. 373, dazu 406 f.
S. oben S. 392.
3 S. oben S. 406f., 439.