476 Sechzehntes Buch. Erstes Kapitel.

im Innern der einzelnen Territorien dem Willen des Landes—
herrn noch oft genug der Wille der Stände entgegengetreten.
Auch die Thatsache, daß im Nordosten, wo das Reich weniger
einwirkte, die weniger entwickelten Territorien lagen, während
eben die fortgeschrittensten Länder den noch etwas kräftigeren
Lebenscentren des alten Kaisertums angehörten, hielt die fürst—
lichen Fortschritte auf und gestaltete sie zugleich für den ganzen
Umfang des deutschen Bodens gleichmäßiger. Daß aber diese
Fortschritte im Sinne einer Stärkung aller landesherrlichen Ge⸗
walten bis zum inneren Bruche der Gesamtmonarchie eintreten
würden, daran war schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts
ein Zweifel nicht mehr möglich. Erhielt sie sich dennoch in
einer Beständigkeit und Lebensdauer von Jahrhunderten, so
lagen die entscheidenden Gründe hierfür zum besten Teile in
ganz anderen als einheimischen und politischen Entwicklungen.

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Seit der großen Reise Ferdinand Magelhäes' in den Jahren
151922 kannte Europa die wesentlichen Umrisse der Erde. Diese
Kenntnis wurde aber handelspolitisch anfangs nur wenig nutzbar
gemacht. Das 16. Jahrhundert war noch weit davon entfernt,
an den Küsten des Stillen Oceans einen europäisch-internatio—
nalen Verkehr von einiger Bedeutung zu sehen; ja auch die
atlantischen Küsten Amerikas waren vor den schließenden Jahr⸗
zehnten dieser Zeit im allgemeinen noch nicht in den Handel
Europas einbegriffen. Aber gleichwohl hatten sich in dem
europäischen Handelssystem die schwersten Umwälzungen schon
vollzogen oder wenigstens drohend angekündigt. Sie bestanden im
wesentlichen darin, daß an Stelle der bisherigen internationalen
Landwege soviel wie nur möglich Seewege traten: was hatte
nicht die Nautik für Fortschritte gemacht, welch kühner Wage—
sinn war nicht jede seemännische Bevölkerung überkommen,
uind wie sehr wurden nicht Schiff und Schiffsgerät verbessert!

Nun war bisher das Mittelmeer das Herz des Weltverkehrs