Naturalwirtschaftliche Reaktion, Reich und Territorien im 16. Jahrh. 477
gewesen, und als seine Hauptschlagadern hatte man die von
dort nach Osten, nach den reichen Ländern Asiens führenden
Straßen bezeichnen können; denn der Austausch der tropischen
Produkte gegen die Güter der gemäßigten Zone bildete noch
immer das Thema des internationalen Handels der Alten Welt.
Stufenweise waren darum die Völker, die an den Mundungs—
stellen der orientalischen Straßen saßen, die vermittelnden Handels⸗
völker der alten Weltteile gewesen: Phönicier, Syrer, Araber,
Byzantiner, bis seit dem 12. Jahrhundert der Schwerpunkt
des Levantehandels von Byzanz und der Balkanhalbinsel nach
Italien verlegt worden war. Von hier hatten die Waren dann
lange Zeit hindurch im wesentlichen den ÜUberlandweg nach Westen,
Norden und Osten eingeschlagen; spärlicher war, obgleich schon
im 14. Jahrhundert blühend, der Vertrieb zur See durch die
Meerenge von Gibraltar gewesen.

Jetzt aber, mit der steigenden Bedeutung der Seewege,
nach der Entdeckung weiterhin der Fahrt um Afrika, die energisch
auf Lissabon als neuen Endpunkt asiatisch-europäischen Verkehrs
hinwies, gewann diese Straße von Jahrzehnt zu Jahrzehnt an
Bedeutung: Portugal wurde zum wichtigsten Lande internatio—
nalen Austausches; und mit und neben ihm wuchs der Handel
Spaniens, der bald auch durch amerikanische Einfuhr, nament—
lich von Edelmetallen, unterstützt ward!. Es war ein Umschwung
von um so fühlbarerer Wirkung, als den alten Transportwegen
zu Lande keinerlei Verbesserungen zu gute kamen, und als noch
nicht jene Abflachung der hohen Bedeutung einzelner Welthandels—
traßen eingetreten war, die sich heute als Folge starker Ver—
inderungen der Motoren und Fahrbahnen überall geltend macht
und die moderne Kultur von geographischen Bedingungen bei
weitem unabhängiger hinstellt, als irgend ein früheres Zeitalter.

So trat denn an Stelle des Mittelmeers, des mare clausum,
immer mehr der freie Ocean als allgemeines Verkehrsbecken;
und damit verschob sich der Anteil, den die einzelnen europäischen
Länder an den Wohlthaten des Welthandels bisher gehabt

Vgl. hierzu und zum Folgenden auch oben S. 50f.