482 Sechzehntes Buch. Erstes Kapitel.
deutschen Städte gingen trotzdem zurück; einige Menschenalter
zehrten sie noch von ererbtem Reichtum — dann traten alle
Folgen ihres Abschlusses von den Welthandelslinien erschreckend
zu Tage.

Dieselben Ursachen aber, die das süddeutsche Verkehrsleben
lahm legten, kamen dem Aufblühen der oceanischen Küsten
Deutschlands im höchsten Maße zu gute. Die Niederlande vor
allem genossen hier, mit, dem Beginn der neuen Periode des
Welthandels, einer unvergleichlichen Gunst der Lage. Verkehrs⸗
politisch mitten zwischen Levante und Ostsee, den großen Welt⸗
gebieten wesentlich passiven Handels, gelegen, in ihrem Rücken
das bedeutende Konsumtionsgebiet der Stromsysteme des Rheines,
der Maas und der Schelde, waren sie naturgemäß zum Centrum
der neuen Verkehrsverbindungen geschaffen. Und diese außer—
ordentlichen Vorteile fielen im Verlaufe der zweiten Hälfte des
16. Jahrhunderts vornehmlich wieder nur den nördlichen Nieder⸗
landen, besonders der Provinz Holland zu. Die südniederländischen
Städte hatten, ähnlich der niederrheinischen Großstadt Köln, ihre
Blütezeit schon seit dem Ende des 14. Jahrhunderts hinter sich —
nur Antwerpen war als Scheldehafen seit dem 15. Jahrhundert
noch in ununterbrochenem Aufblühen. War schon diese Lage
für die in junger Stärkung begriffenen nordniederländischen
Städte nicht ungünstig, so wurde sie während der Kampfesjahre
des niederländischen Aufstandes gegen Spanien ganz zu ihrem
Vorteil gewandt. Im Jahre 1585 fiel Antwerpen den Nord⸗
niederländern in die Hände; nun wurde die Schelde gesperrt,
und aller Gewinn einer einziggearteten Küstenlage übertrug sich
auf den Norden; Amsterdam wurde die größere Nachfolgerin
Antwerpens. Es sind die Anfänge holländischer Weltmacht
zur See.

Neben Holland aber kam, wenn auch viel weniger und im
wesentlichen nur mit dem einen Emporium Hamburg, auch die
heutige deutsche Nordseeküste in Aufnahme. In Hamburg ent⸗
faltete sich nach der Mitte des 16. Jahrhunderts, trotz aller
Vernichtung drohenden Zwischengriffe der Holländer, doch ein
Abglanz der niederländischen Macht. Niederländis che Emigranten,