Naturalwirtschaftliche Reaktion, Reich und Territorien im 16. Jahrh. 483
portugiesische Juden und englische Kaufleute führten hier neue
Industrien ein und begannen im Wettbewerb mit den altham—
burgischen Geschlechtern einen regen Seehandel. Schon 1597
konnte der Physiker Bökel es aussprechen, diese Stadt sei nicht
eine gemeine Landstadt, in welcher Kühe, Schweine und ander
Viehe gehalten werden, sondern ein RHorentissimum Emporium
totius Germaniaeé!. Und nach 1648 wurde Hamburg als
volkreichste Stadt Deutschlands besungen. In der That war
schon in diesen Zeiten seine Stellung in Deutschland einzig
und sein Handel ausgedehnt. Der alte Islandshandel der ersten
Hälfte des 16. Jahrhunderts hatte sich zu einem wichtigen
nordischen Handel überhaupt erweitert; außerordentlich hatte
seit Ende des 16. Jahrhunderts der Verkehr nach den Nieder—
landen zugenommen, so daß er um 1625 nach Schiffen und
Lasten rund ein Drittel der ganzen hamburgischen Schiffahrt
betrug; darüber hinaus wurde Getreide und Kriegsmaterial
nach Spanien gebracht, und ein schwächerer Verkehr führte
hamburgische Schiffe auch in die Häfen des Mittelmeers und
nach Brasilien.

Freilich: gegenüber der Blüte Hollands trat dieser Handel
immerhin noch in den Hintergrund, wie denn vor ihr die ge—
samte mittelalterliche Handelsorganisation des Nordens, die
deutsche Hanse, an sich schon im Rückgang begriffen, nun vollends
in Zerfall geriet.

Mit welchen Mitteln sollten sich die rheinisch-westfälischen
Hansestädte halten, wenn die Holländer, wie sie die Schelde
sperrten, so im Verlaufe ihres Kampfes gegen Spanien auch
den Rhein für jeden Rivalen so gut wie unzugänglich machten?
Schon die Zölle waren, abgesehen von anderen Plackereien und
Erpressungen, abgesehen auch von der seitens spanischer Kriegs—
schiffe bisweilen drohenden Gefahr der Kaperei, ganz unerträg—
lich: eine Last Heringe kostete von Holland bis Köln früher
6—8, seit 1594 48 -50 Thaler Zoll, und die Fahrt erforderte
infolge des steten Anhaltens an Zollstätten nunmehr eine Frist von

1Baasch in Zeitschrift f. hamb. Gesch. 9, S. 300.