Naturalwirtschaftliche Reaktion, Reich und Territorien im 16. Jahrh. 485
wenn man von dem rastlosen Widerstand der Holländer und
—RVV —
läßt, daß wenige Jahre darauf ein langer Stillstand in den
spanisch-niederländischen Kämpfen eintrat, so zeigten sich auch sonst
die veralteten Einrichtungen und Anschauungen der Hansekauf—
leute nicht geeignet, die neuen, weiten Wege zu bezwingen. Nur
der Wagemut einzelner Städte griff schließlich durch; hier lag,
wie wir sahen, einer der Anlässe zum kommerziellen Aufschwung
Hamburgs.

Noch früher aber als der spanische Verkehr ging den Hansen
der englische Verkehr verloren!“. Die alten Privilegien im
Lande des Stahlhofs sind vollständig zum letztenmal durch
Eduard VIJ. im Jahre 1547 erneuert worden. Allein es war
nicht mehr daran zu denken, daß sie erhalten blieben; gegen—
über der einstimmigen Verwahrung des Landes mußte sie der
König schon 1552 widerrufen, und die Zölle wurden aufs
Zwanzigfache erhöht. Und schon drangen die Engländer, der
Ostsee längst gewöhnt?, nun auch in die Nordseegebiete der
Hanse ein. Hamburg, das jetzt auf neuen, eigenmächtigen Pfaden
zu kommerzieller Größe auch außerhalb des Bereiches der Hanse
begriffen war, öffnete im Jahre 1567 den Merchant adven-,
turers seinen Hafen; seitdem nahm der englisch-hamburgische
Verkehr gewaltig zu, namentlich überschwemmten englische Tuche
ganz Deutschland zum schweren Schaden wenigstens der nord—
deutschen Webindustrie. Und als dann das Reich, zum Teil
auf Klagen der Hanse, gegen diese hamburgische Sonderpolitik
ungeschickt eingriff und den Engländern den Hamburger Handel
— natürlich erfolglos — verbot, da antwortete deren Heimats—
staat mit vernichtenden Repressalien. Hatte die Königin Elisabeth
schon im Jahre 1579 nochmals alle hansischen Privilegien auf—
gehoben, so wurden jetzt, am 23. Januar 1508, die Hansen
auch aus ihrer uralten Gildhalle, dem Londoner Stahlhof, ver—
trieben: es war das letzte Verzucken alten Ruhmes: „sind wir ...

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Vgl. Band IV S. 483
Val. Band IV S. 478.