486 Sechzehntes Buch. Erstes Kapitel.
mit Betrübnis unseres Gemütes, der Aldermann voran und
wir andre hernacher, zur Pforte hinausgegangen, und ist die
Pforte nach uns zugeschlossen worden, haben auch die Nacht
nicht drinnen wohnen mögen. Gott erbarm' es!“

Aber blieb den Hansen nicht wenigstens die älteste Handels—
domäne Lubecks, ihres Oberhauptes, die Ostsee?

Auch hier hatten sich die Dinge inzwischen zum schlimmsten
gewendet. Wie lange war es her, daß die Verbindung zwischen
Ostsee und Nordsee vornehmlich den Überlandweg zwischen
Lubeck und Hamburg gewählt hatte! Schon gegen Ende des
13. Jahrhunderts war demgegenüber der Seeweg durch den
Sund, die „Umlandsfahrt“, gewöhnlich geworden. Er bedeutete
zweierlei: die Möglichkeit viel umfangreicheren Transportes
von Massenartikeln und, mit dem Verweis des Verkehrs auf
die offene See, den Wettbewerb der Holländer mit den bis—
herigen Trägern des Handels, mit Westfalen und Oster—
lingen.
Indes einstweilen hatte dieser Wettbewerb noch nicht viel
zu befagen gehabt. Die nordwestlichen Niederlande waren im
späteren Mittelalter noch fast durchweg kapitalarm; fast nur
Fischerei und Frachtgeschäft in den Formen einer bäuerlichen
Reederei wurden von ihnen aus betrieben. Gefährlich wurde diese
Konkurrenz erst von dem Augenblicke an, wo die skandinavischen
Reiche sich derselben im Streite gegen die Hansen als eines der
wichtigsten Kampfmittel bedienten. Nun belebte sich der Sund
mit zahlreichen holländischen Schiffen; Segel an Segel ver⸗
mochte man an schönen Tagen von dem Kärnan, dem alten
Hanseturm Helsingborgs, aus zu erblicken; und im Jahre 1586
galt der Sundzoll längst als „des Königreichs Dänemark größte
Intrada“.
So hing das Vordringen der Holländer in der Ostsee vor
allem von dem Verhältnis der Hanse zu den nordischen König—
reichen ab. Und hier häufte sich nun Unglück auf Unglück.
Wir kennen den traurigen Ausgang des waghalsigen Ver—
suches Jürgen Wullenwevers, Dänemark noch einmal unter das