Naturalwirtschaftliche Reaktion, Reich und Territorien im 16. Jahrh. 489
in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts von Schweden
wiederholt aufs schärfste angegriffen ward, hat weder Lübeck
noch Hamburg sie verteidigen helfen. Unter diesen Umständen
war der Hansetag vom Jahre 1669 fast nur noch eine Farce:
wenige Städte besuchten ihn, ergebnislos verliefen seine Ver—
handlungen: es ist die letzte Tagung der Hanse gewesen.
III.

Ziehen wir die Summe der Erscheinungen, von denen soeben
erzählt worden ist, so lautet sie: Verlust jeder Weltmachtstellung
Deutschlands im Handel, Beherrschung seiner Küsten, ja seiner
wichtigsten Flußgebiete kommerziell durch Holland, handels—
volitisch, wenigstens teilweis, durch Schweden. Ein trauriges
Ergebnis, diese Verstopfung fast aller Poren des nationalen
Körpers, das im wesentlichen bis ins 19. Jahrhundert bestehen
blieb, ja zeitweis noch Verschärfungen erfuhr: sehen wir von
den mißglückten Versuchen des Großen Kurfürsten zur See wie
herwandten Bestrebungen anderer deutscher Mächte ab, so hat
erst die Losreißung der Vereinigten Staaten von England wieder
deutsche Schiffe durch den offnen Ocean geführt.

Wir begreifen heute, in einem Zeitalter reißend wachsender
Handelsbeziehungen unserer Nation nach allen Weltteilen hin,
was dieser Vorgang bedeutete. Er versetzte Deutschland in die
Rolle des Aschenbrödels unter den Nationen; er verschüttete die
Quellen seines Fortschritts seit dem 15. Jahrhundert, er
begann es von neuem auf das Niveau einer spätmittelalter—
lichen Naturalwirtschaft hinabzudrücken, das in dem wirtschaft—
lichen Leben wenigstens der Großstädte der Reformationszeit
sowie in dessen sozialen und geistigen Folgeerscheinungen längst
überschritten schien. Es war, als sollten einige Menschenalter
reichsten Geschehens in der Entwicklung der Nation wieder
zestrichen werden.

Der Fall des auswärtigen Handels zog natürlich den
Fall des Binnenhandels nach sich, um so mehr, als der
deutsche Handel noch in vielen Beziehungen Passivhandel war.

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