Naturalwirtschaftliche Reaktion, Reich und Territorien im 16. Jahrh. 491
Schon in den siebziger und achtziger Jahren des 16. Jahr⸗
hunderts sieht man dann mit Schrecken, wie ganz allgemein
die Grundlagen naturalwirtschaftlicher Kultur wieder zu Tage
treten. Waren die einsichtsvollen Münzschriften der sächsisch—
albertinischen Linie in der ersten Hälfte des Jahrhunderts
wie auch noch der treffliche sächsische Rat Melchior von Osse in
seinem politischen Testament vom Jahre 1556 der Meinung
gewesen, das Geld vermehre den Handel und verhüte die
Absatzlosigkeit der erzeugten Waren, so konnten jetzt die Be—
soldungen wiederum fast nur noch in Naturalien, in einzelnen
Territorien auch in Bergwaren (Salz, Metallen, Hütten⸗
produkten) gewährt werden; in Brandenburg hat noch unter
dem Großen Kurfürsten jede mehr geldwirtschaftliche Ge—
haltszahlung gestockt, bis erst etwa das Jahr 1683, noch
mehr das Jahr 1713 eine Besserung brachte. Und auch
die Fürsten selbst sehen wir im bloßen Tauschhandel für ihren
Hofbedarf; sie kaufen mit Naturalerzeugnissen, und für größere
Landesausgaben, für Kanal- und Wegbau, für Kriegsführung
und Friedenspolitik muß das Geld im Auslande gesucht werden.
Es ist der unglückselige Zustand, der unsere Fürsten auf viele
Menschenalter hin den Tributzahlungen der westlichen Geldmächte,
Frankreichs, Hollands, Englands, nur zu geneigt gemacht hat.

Will man sich ein eingehenderes Bild von dem zeitlichen
Fortschritt dieses unglücklichen Verlaufes machen, so führt
hier, zumal bei der Lage der heutigen Forschung, kaum eine
andere Entwicklung deutlicher ein, als die des Geldwesens.

Mit dem außerordentlichen Aufschwung des Verkehrs im
14. Jahrhundert war in Deutschland nach Florentiner Vor—
bild der Goldgulden entstanden, zunächst als Handelsmünze?:
dieselben Motive im kleinen hatten seine Prägung veranlaßt,
die unsere Tage auf den Weg der Goldwährung des neuen Reiches
—DDDDDD—
und 16. Jahrhunderts — Deutschland war einst, zur Römerzeit,

Zum Gegensatz vgl. oben S. 94.
2 S. oben S. 55.