196

Sechzehntes Buch. Erstes Kapitel.
tausendjährigen Reiches vor. Am klügsten waren die Kauf—
leute; sie begrundeten die Girobanken zu Hamburg (1619) und
Nürnberg (1621). Aber auch die Münzherren hatten ein
Einsehen. Nachdem schon in Münzbedenken der Reichs—
kreise aus den Jahren 1608 und 1607 der Vorschlag
eines Verbotes der Geldausfuhr aufgetaucht war, erschien
schließlich die Rückkehr zur alten Reichsmünzordnung als das
Beste. Sie wurde zuerst, schon im Herbst 1621, von dem
Herzog Christian von Braunschweig-Lüneburg, Bischof von
Minden, unter Reduktion der schlechten gangbaren Münzen
angebahnt. In den folgenden Jahren half man sich dann auf
diesem Wege ziemlich allgemein weiter; claudite iam rivos,
pueri, sat prata biberunt, wurde wohl einem Fürsten zugerufen;
1624 war der Taumel zu Ende!.

Was blieb, das war ein außerordentlicher Verlust an
Nationalvermögen und die Thatsache, daß man sich in der
oollsten Ebbe der großen geldwirtschaftlichen Bewegung des 15.
und 16. Jahrhunderts angelangt sah.

Die Konsequenzen dieser Lage aber waren inzwischen auch
nach anderen Seiten hin gezogen worden.

Die Bergwerke waren in Verfall geraten. Hatte man im
14. und 15. Jahrhundert mit Tagesschürfen eifrig begonnen
und war man darüber hinaus bald zum Stollenbau vorge—
schritten, so fehlte jetzt das Kapital zu diesem kostspieligeren
Betrieb, und das Steigen der Arbeitslöhne machte die Aus—
beutung noch schwieriger. Schon mit den zwanziger Jahren des
16. Jahrhunderts ließ darum der Abbau hier und da nach,
vornehmlich wohl in Sachsen; anderswo, in Böhmen, in
Tirol. schleppte er sich unter dem Bankbruch der großen Berg⸗—

Die Geschichte der Preisrevolution des 16. Jahrhunderts in eine
allgemeine Darstellung der deutschen Geschichte, ja auch nur in die Geschichte
des Geld- und Münzwesens einzuführen (obwohl die letztere zweifellos von
ihr beeinflußt worden ist), halte ich auch nach dem trefflichen Buche Wiebes
Zur Geschichte der Preisrevolution des 16. und 17. Jahrhunderts; Leipzig
1895) noch immer für ein gewagtes Unternehmen, dem noch sehr intensive
Studien vorausgehen müßten.