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Sechzehntes Buch. Erstes Kapitel.
enger ab. Die Schwierigkeiten der Zulassung von Meister⸗
kandidaten wurden erhöht, die Zahl der Meister selbst begrenzt,
die Gesellen durch stärkere Anspannung ihrer Arbeitskraft bis
zu sechzehnstündiger Tagesbeschäftigung ausgemergelt und ge—
knechtet: rücksichtslos trat der Egoismus der Meister zu Tage.
So gingen ihre Genossenschaften den Weg des Verfalls und
verloren das öffentliche Vertrauen; die Reichspolizeiordnung
vom Jahre 1530 hatte Handwerkshändel noch vor die ein—
schlagende Zunft zum Austrag verwiesen; die Ordnung vom
Jahre 1577 setzt fest, daß alle solche Händel allein von der Obrig—
keit geschlichtet werden sollen.

Indem aber die Zünfte verknöcherten, zog sich das städtische
Leben überhaupt in sich zurück und veraltete; denn von wem
war es in seinen älteren und tieferen Grundlagen mehr getragen,
als eben vom Handwerk? In der ersten Hälfte des 16. Jahr—
hunderts hatte es wohl scheinen können, als ob die Trennung von
Stadt und Land, wie sie sich seit dem 13. Jahrhundert aus—
gesprochener entwickelt hatte, von einer glücklichen Durchdringung
städtischer und ländlicher Interessen abgelöst werden könne. Bürger—
liche Händler hatten die Landeserzeugnisse auf den Dörfern auf—
zukaufen begonnen, Hausierer vertrieben hier die städtischen
Manufakte; in den Anfängen der Hausindustrie zog sich städtischer
Betrieb selbst teilweis auf das platte Land; und in den Dörfern
ergab sich eine lebendige Preisbildung selbst für die Lohnan—
sprüche des täglichen Arbeiters. Wie später die großen Handels—
kompagnien des 17. Jahrhunderts die alte Stadtwirtschaft
thatsächlich gesprengt haben, so ließ sich eine solche Wirkung
schon durch den dauernden Bestand der Monopolgesellschaften
des 15. und 16. Jahrhunderts erwarten.

Jetzt, mit dem Rückgang der Volkswirtschaft, blieb sie aus.
Schroffer wie je trennten sich Stadt und Land. Es kam soweit,
daß bewaffnete Mannschaften der Zünfte gegen die Bönhasen auf
dem Lande zu Felde zogen, daß sie ländliche Verkehrs- und
Gewerbsanlagen zerstörten, ja daß sie die Niederlegung der
eignen Vorstädte vor den Mauern erzwangen. Selbstverftänd—
lich, daß demgegenüber das platte Land auch den Handel der