Naturalwirtschaftliche Reaktion, Reich und CTerritorien im 16. Jahrh. 499
Städte nicht mehr zulassen wollte. An Stelle der heimischen
Hausierer sah man lieber fremde Tabulettkrämer, Schotten und
Savoyarden; und der Adel, auf den Absatz seiner Landespro—
dukte bedacht, wandte sich namentlich im Nordosten gegen das
Monopol bürgerlichen Aufkaufes und zeigte ihm gegenüber
freihändlerische Neigungen.

Vor allem aber wandten sich die führenden Klassen des
Landes wie der Stadt mit gleich eindringlicher Bitte an das
Reich wie namentlich die Territorien, sie in ihren hergebrachten
Rechten zu schützen: die Gesetzgebung der zweiten Hälfte des
16. Jahrhunderts ist von diesen Tendenzen vollkommen durch—
setzte. Und in der That erreichte man, was man bezweckte:
mit einer unerhört scharfen Scheidung der Stände, soweit es
sich um die Abgrenzung ihrer Berufe handelte, schloß das Jahr—
hundert.

Es war eine Entwicklung, die dem platten Lande so wenig
fast als den Städten zu gute kommen konnte.

Zwar sollte man glauben, die naturalwirtschaftliche Reak⸗
tion, wie sie um die Wende des 16. Jahrhunderts sogar
die deutschen Wirtschaftstheoretiker zur Anerkennung eines
wesentlich naturalwirtschaftlichen Gesamtzustandes der Nation
zwang?, hätte für das platte Land Vorteile bringen müssen.
Indes das war in keiner Weise der Fall. Vielmehr vereinten
sich die Folgen der absterbenden geldwirtschaftlichen Periode
mit den Wirkungen der zurückkehrenden Naturalwirtschaft auch
für den Landmann zu besonders schwerer Schädigung. Freilich
geschah das in den alten mutterländischen Gegenden und in den
Gebieten der seit dem 12. Jahrhundert erschlossenen Kolonial⸗
——

Im Mutterland hatte der geldwirtschaftliche Aufschwung
des 15. und 16. Jahrhunderts mehr oder minder zur Sprengung

S. unten S. 539f.

Besonders klar ist das bei dem in Danzig lebenden, 1609 ge⸗—
storbenen Keckermann. Er kennt zwar die Geldwirtschaft als höhere wirt—
schaftliche Lebensform, steht aber gleichwohl auf dem Standpunkte der
Naturalwirtschaft: Roscher, Geschichte der Nationalßkoönomik S. 147.