508 Sechzehntes Buch. Erstes Kapitel.
des Lateins, des Rechtes, der Geschichte, vor allem auch
theologisches Wissen als notwendige Voraussetzung fürstlichen
Lebens erscheinen zu lassen. Freilich standen dem auch in der
Höhezeit des Humanismus und der Reformation noch starke
gegnerische Strömungen gegenüber. „Wenn ein Fürst die
— —
„so fürchten die vom Adel und Recht, er werde ihnen zu gelehrt
und klug, und sagen: Potz Marter was? Will Euer fürstliche
Gnaden ein Schreiber werden? Euer Gnaden müssen ein
regierender Fürst werden, müssen weltlichen Handel lernen
und was zur Reiterei und zum Kriege gehört, damit Land
und Leute geschützt und erhalten werden u. s. w.: das ist, ein
Narr bleiben, den wir mögen mit der Nase herumführen, wie
einen Bär.“
Indes war doch seit dem Aufkommen der zweiten Fürsten—
generation des 16. Jahrhunderts, seit den dreißiger und
vierziger Jahren, ein wenig gelehrte Bildung für den Fürsten
fast unerläßlich; später, um die Wende des 16. Jahr—
hunderts, haben einmal in Ingolstadt gleichzeitig 7 Reichs—
fürsten, 36 Grafen und 45 Freiherren studiert. Und zur ge—
lehrten Bildung kam dann als zweites Erziehungselement der
Aufenthalt an fremden Höfen, am deutschen Kaiserhof etwa
oder am französischen, gelegentlich auch am spanischen Hofe.

Dementsprechend finden wir seit spätestens der Mitte des
16. Jahrhunderts eine große Anzahl gut gebildeter Fürsten, so
die Brüder Moritz und August von Sachsen, die ernestinischen
Fürsten, Albrecht von Bayern, Christoph von Württemberg,
Wilhelm von Hessen, Julius von Braunschweig, Joachim von
Brandenburg. Und eine jüngere Generation ging noch über
sie hinaus: die bayrischen und österreichischen Herrscher wurden
zu Kunstmäcenen; die landesfürstlichen Architekten lösten an ihren
Höfen die mittelalterlichen Dombaumeister der Städte ab, und
unter den protestantischen Fürsten wurden einige feine Naturen
sogar geistig höchst pvroduktiv: der Herzog Heinrich Julius von

Tischreden 2759.