520 Sechzehntes Buch. Erstes Kapitel.
Frage auf, ob man denn den mittelalterlich ungelenken Amtmann
zu'gunsten einer besseren, rein technischen Verwaltung nicht über—
haupt entbehren könne!. Der Amtmann des 14. und 13. Jahr—
hunderts war zunächst noch Grundherr und Ritter zu eignem
Dasein gewesen; die Verwaltung war von ihm nebenbei, als eine
Ergänzung eigner Einnahmen und eignen Einflusses, übernommen
worden, und er hatte sie noch immer gern von den militärischen
Gesichtspunkten des alten Burggrafen aus geführt. Aber wie
hatten sich seitdem die Zeiten geändert! Mit steigendem Land—
frieden waren die militärischen Funktionen zu einfach polizeilichen
geworden; einige Landreiter statt der alten Fähnlein und Gleven
genügten zur Aufrechterhaltung der Ruhe. Und gleichzeitig
waren die eigentlichen Verwaltungsfunktionen, war der schrift—
liche Verkehr mit den Vorgesetzten weit mehr entwickelt worden.
Waren nun die Herren vom niedern Adel, aus denen die mittel—
alterlichen Amtleute fast ausschließlich hervorgegangen waren?,
die geeigneten Kräfte, diesen Wandel durchzumachen und zu er—
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die Amtleute vom Adel thatsächlich zu bloßen Titularen und
Sinecuristen geworden.

Im ganzen aber paßte sich der Adel doch den unvermeid—
lichen Fortschritten an und suchte nunmehr seine Vorbildung
auch für die lokale Amtsverwaltung mehr auf der Universität als im
Marstall und auf dem Fechtboden. Und dieser Wechsel gestattete
denn doch nicht unwesentliche Verbesserungen der Verwaltung
überhaupt und namentlich der Rechtspflege, wenn sie auch keines—
wegs gleichzeitig eintraten und allen Territorien in gleicher
Weise zu gute kamen.

Auf kolonialem Gebiete zunächst hatte die Gerichtsverfassung
sich wenigstens im Nordosten meist in so stark absteigender Linie
bewegt, daß das 16. Jahrhundert nur mit äußerster Anstrengung
dem Verfall Einhalt thun und einige Versuche der Besserung
unternehmen konnte. So war z. B. in Brandenburg schon
1Melchior von Osse (1556) od. Thomasius S. 188 ff.; s. dazu Roscher,
Gesch. d. Nationalök. S. 117; Schmoller, Acta borussica J S. (99)..
2 S. Band IV S. 318.