Naturalwirtschaftliche Reaktion, Reich und Territorien im 16. Jahrh. 331
Fronden. Und wie schroff wurden sie verlangt, wie wenig
wurden die bäuerlichen Fluren bei der Hofjagd geachtet, wie
furchtbar waren die Strafen für den Wilddieb. In Brandenburg
mußte jeder Hirsch mit 500 Thalern gebüßt werden; selbst auf
Abschuß von Raubzeug stand harte Strafe. So begreift es
sich, wenn das Jagdregal als eine der schlimmsten Plagen des
Zeitalters galt: Kurfürst Moritz von Sachsen hat auf seinem
Totenbette reuig den Ersatz des unter seiner Regierung verübten
Wildschadens befohlen.

Freilich nicht alle Fürsten waren Nimrode; Herzog Julius
von Braunschweig sagt einmal in seinem stillen Humor von
sich: „wie andere Chur- und Fürsten meistenteils dem Jagd—
teufel anhängig, also hats mit uns die Gelegenheit, daß wir
dem Bergteufel nachhängen““. Gewiß war die volle Entwick—
lung des Bergregals und seine Ausdehnung auch auf alle
Fossilien und Halbmetalle da, wo Bergsegen vorhanden war,
eine der glücklichsten und folgenreichsten Bethätigungen des
fürstlichen Regalismus. Trotz des Nachlassens des alten
Bergwerkbetriebs, wie er freilich vielfach auch durch die zu—
nehmende Mattigkeit der städtischen Kapitalisten veranlaßt
ward?, führte sie in der späteren Zeit des 16. Jahrhunderts
in manchen Territorien, in den kaiserlichen Erblanden, in
Bayern, im kursächsischen Erzgebirge, vor allem auch im Harz
zu einer neuen Blüte der bergbaulichen Interessen. So ließ
z. B. Julius von Braunschweig sein Land geognostisch bis ins
Einzelne untersuchen, begründete neue Salinen, darunter das
nach ihm genannte Juliushall bei Harzburg, ließ auf Stein⸗
kohlen schürfen und erschloß Alabaster- und Marmorbrüche.
Und mit dem Bergbau verband sich vielfach und viel stärker
als in der Vergangenheit ein einträgliches Hüttenwesen. Und
auch hier suchten die Fürsten dem Regalismus Boden zu schaffen.
In Sachsen gelang es thatsächlich, den Betrieb halb zu ver—
taatlichen, und aller Handel mit Metallen, vielfach auch mit

Bodmann, Zeitschr. für Kulturgesch, herausg. von Müller 1, 200.
2 S. oben S. 496f.