Niederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 545
Unmöglich konnte so verschiedener Bewegung des allge—
meinen materiellen und geistigen Daseins das gleiche äußere
Schicksal beschieden sein. Die Nordseeküsten, soweit sie dem
internationalen Handel zugänglich wurden, scheiden jetzt aus
aus der sonst eingeschlagenen politischen Entwicklung der Nation;
die Niederlande, schon längst in eignen Geleisen, führen nun—
mehr, von den innerdeutschen Gebieten fast völlig getrennt, ihren
furchtbaren Kampf gegen Spanien um Verkehrs- und Geistes—
freiheit, und ein Kind gleicher Wurzel mit ihnen, blüht Hamburg
am östlichsten Punkte der Nordseeküste empor, allein fast von
allen fpeziell deutschen Städten lebendig in neuen Wandlungen
seiner Verfassung, Amsterdam ähnelnd nach Lebenshaltung und
öffentlichen Einrichtungen, auf geistigem Gebiete bald die Metro—
pole des deutschen und standinavischen Nordens. Die Territorien
des Binnenlandes aber nehmen einen ganz anderen Entwick
lungsgang. Für sie giebt es bald kaum noch allgemeine Welt—
händel, soweit diese sich nicht mit Reichssachen verknüpfen;
sie vertragen alles andere, als die Anerkennung geistiger
Elastizität und sozialen Fortschritts; sie freuen sich eines
trägen, faulen Friedens — bis die aus den großen Jahren
der Reformation her aufgespeicherten Gärungsstoffe, trotz aller
Zersetzung durch das Einwirken der Gegenreformation, endlich
doch noch entzündet in der furchtbaren Flamme des dreißig—
jährigen Krieges emporschlagen.

—A
Geschichte im Zeitraum des nächsten Jahrhunderts einheitlich
zu überschauen; in seinen zwei Strömungen, der niederländischen
und der gemeindeutschen, muß er gesondert betrachtet werden.

Die Niederlande hatten sich schon seit dem 12. Jahr—
hundert von den Bahnen zu entfernen begonnen, die die Ent—
wicklung im centralen Deutschland eingeschlagen hatte. Immer
mehr hatten auf ihrem Boden Handel und Gewerbe überwogen.
Vom Süden war schon im 14. und 15 Jahrhundert bekannt.
darauf genauer einzugehen, sobald die Wirkungen der besonderen schweize—
rischen Entwicklung für die Gesamtentfaltung des deutschen Wesens von
Wichtigkeit werden.