Niederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 549
wicklung zu gunsten stärkerer Entfaltung der monarchischen Central⸗
gewalt wieder unterbunden werden — und das, obgleich die
Finanzlage Karls zumeist die kläglichste von der Welt war, und
obgleich die Niederlande auf alle Weise zu ihrer Besserung,
wie sie nur durch ständische Bewilligung erfolgen konnte, heran—
gezogen wurden. Ernste Bedenken erhoben sich gegen diesen
Lauf der Dinge, sowohl innerhalb der ständischen Vertretungen,
wie bei den Statthaltern der Provinzen, die meist zugleich dem
standesberechtigten Adel angehörten: autonome wie administra⸗—
tive Kräfte schienen in gleicher Weise einer ungewissen Zukunft
entgegenzutreiben.

Und damit noch nicht genug. Zu allen Schwierigkeiten
der sozialen und politischen Lage war schon früh der Drang
religiöser Bewegungen gekommen. Wie rasch hatte die Lutherie
in den Niederlanden Fuß gefaßt; auf belgischem Boden starben
die ersten Märtyrer des neuen Glaubens!. Dann hatten sich
die Reste der Widertäufer in dies Land der großen Städte,
differenziertester sozialer Bewegung und geistig besonders offenen
Fortschritts geflüchtet?. Das mennonitische Märtyrerbuch „Die
Opfer des Herrn“, eine Sammlung von Bekenntnissen, Briefen
und Testamenten von „Schlachtlämmern Christi“, dankt nieder⸗
ländischer Bedrängnis seine Entstehung. Und über diese
—DD
weit bedenklichere Konfession, als irgend eine der früheren: der
Calvinismus.

Calvin, im Jahre 1509 zu Noyon in der Picardie geboren,
eine echt französische, vornehme, zum klaren Leiten anderer
geborene Natur, juristisch und humanistisch gründlich gebildet,
war im Jahre 1585 den Protestanten von Paris näher ge—
treten; und aus dem Bekehrten, der ihnen genaht war, war
bald ihr Beherrscher geworden. Von Paris verjagt, flüchtig
in verschiedenen Exilen der Schweiz und Italiens lebend, hatte
er sich schließlich an Genf gefesselt gefunden und hatte nun

1 S. oben S. 279, 285.
2 S. oben S. 355.