Niederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 553
Schon dies allein hätte im Laufe der Jahre die ganze Lage
ändern müssen: wie konnten die im lebendigsten Treiben des
Welthandels stehenden Provinzen vom stillen Escurial aus
regiert werden?

Der König freilich glaubte, es werde genügen, die alte
Regierungsweise Karls aufrecht zu erhalten, um das Land zu
beherrschen. Er blieb bei ihr, suchte sie höchstens, übrigens in
allem Wohlwollen, weiter zu bilden.

Anders aber sahen die Niederländer die Dinge. Der
Krieg mit Frankreich hatte zwar zu den glänzenden Waffen—
thaten des niederländischen Adels bei St. Quentin und
Gravelingen, in denen Egmont der Held des Tages war, ge—
führt, aber seine Folgen lasteten auf dem Lande. Zahlreiche
Dörfer waren verwüstet, dazu brachte das Jahr 1557 Mißernte,
Hungersnot und Pest; nach dreißig Jahren kaum glaubte man
die Herstellung des alten blühenden Zustandes wieder erwarten
zu dürfen. Und als schwerstes Überbleibsel der Kriegsnöte
hatten sich fremde Truppen im Lande eingenistet: es schien,
als sollten auf diese Art alte Drohungen Karls V. gegen die
Selbständigkeit der Städte verwirklicht werden. Nun versprach
zwar Philipp, das spanische Fußvolk wieder aus dem Lande
zu ziehen, obgleich er es neben der berühmten einheimischen
Kavallerie, den von niederländischen Adligen befehligten
Ordonnanzbanden, zum Schutze gegen Frankreich für notwendig
erklärte; aber trotz des am 30. Dezember 1559 ausgefertigten
Abberufungpatents blieben die Völker dennoch bis zum
10. Januar 1561 im Lande.

Und wie sollten gar die Schädigungen im Landeshaushalt
beseitigt werden, die jetzt neben der ewigen Finanznot der
spanischen Herrscher der Krieg doppelt veranlaßt hatte! 8war
die Niederländer hielten Spanien für äußerst ergiebig und
—BDD——
materielle Forderungen stellen könne, indes er selbst wohl
sorgenvoll und schlaflos ein Defizit von 9 Millionen Dukaten
jährlich herausrechnete. Aber die niederländische Regierung
mußte handeln. Obgleich der Handel infolge der Feind—

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