554 Sechzehntes Buch. Zweites Kapitel.
schaft Frankreichs, wie aus Anlaß der glänzend emporstrebenden
Wirtschaftspolitik Elisabeths von England zurückging, wuchs
die finanzielle Belastung. Man versuchte es mit Monopoli⸗
sierung des Salzhandels; es kam zu dem Wagnis einer direkten
Besteuerung der Immobilien mit J, der Mobilien mit 20/0; schon
wurde minderwertig ausgemünzt. Damit ging Amterverkauf
Hand in Hand, und als neue Steuern und Subsidien nicht
mehr leicht bewilligt wurden, machte man Schulden auf noch
zu bewilligende. Während die Lande sich immer mehr zu
Gunsten Spaniens ausgebeutet glaubten, hatte man schließlich
in den Centralkassen kaum noch einen Heller; es kam vor, daß
die Kuriere nach Spanien nicht bezahlt werden konnten; und
später, im Januar 1564, konnte man in Madrid anfragen, ob
die Galeerensklaven entlassen oder hingerichtet werden sollten;
nähren könne man sie jedenfalls nicht mehr.

Und trotz alles dieses Verfalls dennoch die alte Hartnäckig—
keit gegenüber dem wichtigsten geistigen Bedürfnis des Landes,
gegenüber dem Protestantismus! Noch kurz vor seiner Abreise
hatte Philipp dem Lande wie der Regierung die besonderen
katholischen Pflichten ans Herz gelegt. Und demgemäß wurde
verfahren. Wohin man fühlte, merkte man das Wirken der
Inquisition. Und weitere positive Maßregeln zu Gunsten des
Katholizismus traten zur Seite. Es schien nicht mehr zu
genügen, daß Löwen die Kinder des Landes, die sich den
Wissenschaften widmeten, katholisch erzog; für die französisch
sprechenden Landsleute, die bisher vielfach nach dem ketzerisch
verseuchten Frankreich gezogen waren, wurde eine zweite rein⸗
gläubige Universität in Douai errichtet.

Vor allem aber wurde die Zahl der Bistümer vermehrt.
Nun war der Gedanke, die Niederlande, in denen es bisher
nur drei Bistümer, Arras, Tournai und Utrecht, gab, mit
einer stärkeren Hierarchie auszustatten, alt; schon Karl der
Kühne hatte ihn gehabt. Er war auch zweifellos berechtigt!:
umfaßte doch die Diöcese Utrecht allein etwa 1100 Kirchen

Val. dazu Band III S. 307.