Niederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 557
Wilhelm selbst, damals jugendfrisch, im Jahre 1560 sieben—
undzwanzigjährig, galt schon als ein tapferer Heerführer aus
der Schule Karls V.; bald sollte er sich auch als macchiavel—
listischer Diplomat gleicher Schule glänzend bewähren. Religiös
fühlte er in diesen Jahren noch nach Bedürfnis mit jeder Partei,
anscheinend durch keinerlei innere Erfahrungen geistig gefestigt;
als Gesellschafter war er beliebt und durch ein luxuriöses
Leben, wie es die Stellung eines Mitgliedes des hohen Adels
zu fordern schien, im Ansehen zweifelhafter Berühmtheit;
adelsstolz blickte er auf die Habsburger als ein Geschlecht von
Emporkömmlingen herab; und seiner leidenschaftlichen, in Plan
und Absicht unergründlich tiefen, in den Mitteln beinahe wahl—
losen Natur traute man früh die weitgehendsten Unterneh—
mungen zu.

Wie hätten nun diese Adligen ruhig neben Granvelle
wirken sollen, der für sie ein Plebejer blieb, selbst nachdem er
Erzbischof von Mecheln geworden war? Schon früher einmal,
im November 1555, hatte sich Egmont geweigert, im Staatsrat
zu dienen: das hieße sich in seinen Kreisen unbeliebt machen;
zudem würde er schlechte, aber durch Mehrheit beschlossene oder
gar von oben her vorgeschriebene Maßregeln vor dem ganzen
Lande mit seinem Namen zu decken haben. Sehr begreiflich
also, daß der Adel, nun er einmal in den Staatsrat einge—
treten war, auch wirklich regieren wollte.

Und doch sah er sich bald jede Möglichkeit hierzu ver—
schlossen. Granvelles Einfluß beim König stieg; Staatsrat
und Statthalterin wurden machtlos. Und mehr. Oranien
war Statthalter von Holland, Seeland und Utrecht, Egmont
von Flandern und vom Artois; als solche zählten sie, wie
ihre edlen Mitstatthalter in den übrigen Provinzen, unter
ihre wichtigsten Obliegenheiten das Recht, zahlreiche Beamte zu
ernennen. Das war Granvelle längst ein Dorn im Auge, und
so erlebte er es, daß für die Ernennung der wichtigeren Be—
amten ein besonderer Rat unmittelbar unter der Statthalterin,
eine spanische Consulta, eingesetzt ward, nach deren Organisation
ihm persönlich fast aller Einfluß ausschließlich zufiel. Es war