558 Sechzehntes Buch. Zweites Kapitel.
zur selben Zeit etwa, da ihm mit der Neuordnung der nieder—
ländischen Kirche die Nomination von achtzehn Bischöfen namens
des Königs zufiel: es schien, als wollte er allein über die großen
amtlichen Würden des Landes, die alte Domäne des Adels,
verfügen. Genug, um ihn, den bald persönlich Verhaßten, für
die höchsten Kreise des Landes auch sachlich unerträglich er—
scheinen zu lassen.

Mit der Einführung der neuen Hierarchie aber verband
Granvelle zugleich noch weitere Pläne. In den Ständen des
Landes, wie sie sogar Philipp während seiner Anwesenheit im
Jahre 1558, in richtiger Würdigung ihrer finanziellen Leistungen,
zu einer Generalstaatensitzung berufen hatte, befanden sich viele
oppositionelle Elemente. Und zu diesen gehörten nicht zum
geringsten die Äbte der reichen Klöster; sie bewegten sich fast
durchweg im Schlepptau des hohen Adels. Jetzt nun, bei der
Frage nach der Dotierung der neuen Bistümer, zu deren
Lösung Philipp eine besondere Kommission, natürlich unter
Granvelles Vorsitz, berufen hatte, schien sich die Möglichkeit
zur Unterdrückung dieser Opposition zu bieten. Wie, wenn
man die neuen Bischofswürden teilweis mit den Abtswürden
der fettesten Klöster unierte? Dann war die Dotation für die
Bistümer beschafft und die Opposition der Äbte beseitigt; ja
da der Regierung das Nominierungsrecht der Bischöfe zustand,
so war zugleich für ein neues ergebenes geistliches Element in
den Ständen gesorgt. Granvelle glaubte in diesem Sinne
handeln zu dürfen; auf der Grundlage entsprechender Vorschläge
hin ernannte Papst Pius IV. am 10. März 1561 elf nieder—
ländische Bischöfe und Erzbischöfe, darunter Granvelle selbst.

Aber Granvelle hatte sich in der Annahme getäuscht, daß
die Stände diesen Schritt ruhig ertragen würden. In Brabant,
der unruhigsten aller Provinzen, hatte man allein drei Bischofs⸗
sitze auf alte Abteien zu fundieren versucht: alsbald nach—
dem der Plan bekannt geworden war, hatte sich hiergegen
Widerstand erhoben. Jetzt nun erreichte die Opposition durch
Androhung der Steuerverweigerung in der That, daß Granvelle
sich mit einer Beisteuer der Klöster zur Fundierung der neuen
Bistümer begnügte, im übrigen aber die alten Zustände erhalten