Niederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 559
blieben. Es war ein offenbarer Sieg des Landes über die
fremde Regierung.

Und schon gesellte sich dazu ein zweiter über Philipp selber.

In Frankreich war der Protestantismus als ein Kind vornehm⸗
lich der calvinischen Bewegung emporgekommen. So besaß er als—
bald die innigste Verwandtschaft mit dem niederländischen Prote—
stantismus, ja wurde diesem wesensgleich, je mehr der Calvinis—
mus hier siegte. Nun war aber in den letzten Jahren eine
festere Organisation des französischen Protestantismus einge⸗
treten. Seit 1560 hatten adlige Parteihäupter, Coligny, der
König Anton von Navarra und bald für diesen sein Bruder,
der Prinz Ludwig von Conds, seine politische Vertretung über⸗
nommen. Die Folge war, nachdem protestantischer Adel
und protestantisches Bürgertum in Bündnis miteinander ge⸗
treten waren, der erste Religionskrieg des Jahres 1662. In
diesen energisch einzutreten, durch Erhöhung und Sieg des
französischen Katholizismus seinen Glauben zu schützen, Navarra
zu erobern und die Niederlande vor dem Ketzertum zu bewahren
sowie seiner Krone und dem Katholizismus wieder näher zu
bringen, war nun eine der großen Herzensangelegenheiten König
Philipps.

Aber davon wollte man in den führenden Schichten der
Niederlande nichts wissen. Mit dem Deutschen Reiche müsse
man es halten gegen Frankreich; das sei altererbte politische
Weisheit; fast unverhüllt zeigten sich Sympathien für die
Hugenotten. Es waren Ansichten, die seitens der nieder—
ländischen Mitglieder im Staatsrat mit solcher Energie ver—
treten wurden, daß die Statthalterin gar nicht daran denken
konnte, nach dem Wunsche Philipps die Ordonnanzbanden und
etwa gar noch deutsche Landsknechte in niederländischem Sold
über die französische Grenze in Bewegung zu setzen.

Und weiter noch als der Staatsrat ging Oranien. Zum
erstenmal begann er die Grundzüge eines ganz anderen, auf
Verbindungen innerhalb des Deutschen Reiches gestützten
politischen Systems dem des spanischen Königs gegenüber—
zustellen. August 1561 hatte er sich, sehr zum Verdruß Gran—⸗
velles und Philipps, mit Anna von Sachsen, der Schwester