562 Sechzehntes Buch. Zweites Kapitel.

III.

Inzwischen hatte die Aufregung in den Tiefen zugenommen.
Vor allem die religiöse. Hier bot die Durchführung der neuen
hierarchischen Ordnung dauernden Anlaß zu übertriebenen Ge—
rüchten. Die spanische Inquisition wolle man einführen, hieß
es; dann würde nicht bloß die persönliche und die Gewissens—
freiheit, nein auch jede von den Altvätern heraus überlieferte
politische Freiheit verloren gehen. Und nicht bloß Protestanten
erzählten dies teilweis auf Vorspiegelungen hin, deren Ursprung
bis zu Oranien heraufreichte; nicht anders dachten auch gute
Katholiken; die antikatholische Strömung ward weit von einer zwar
nicht glaubens-, wohl aber kirchenfeindlichen Bewegung über—
holt, und diese war allgemein. Wer sollte ihr auch entgegen⸗
treten? Etwa die Statthalter? Sie fühlten mit ihrem Volk,
und nur wenige glaubten sich zur Durchführung der strengen
Plakate der Centralregierung verpflichtet.

Naturgemäß aber wuchs mit diesen Strömungen der
Protestantismus. Und zwar von Südwesten, von der Picardie
her und in der besonders spanienfeindlichen Gestalt des Calvinis—
mus. Schon im September 1562 war es in Tournai zu offenen
Zusammenkünften der Calvinisten in Wald und Flur gekommen;
knüttelbewaffnete Männer schützten die andächtigen Haufen,
aus deren Mitte Psalmengesang der Gemeinde und leiden—
schaftlich mahnendes Wort der Wanderprediger erklangen. Es
half nichts, daß man dagegen, übrigens lässig genug, einschritt;
die Bewegung verbreitete sich trotzdem durch ganz Westflandern
und fand im Jahre 1563 einen neuen Mittelpunkt in
Valenciennes. Nun setzte zwar die Statthalterin dagegen
Ordonnanzkompagnien und einige Fähnlein geworbenen Fuß—
volks in Bewegung, und es kam zu neuen Konfiskationen und
Hinrichtungen. Erreicht aber wurde fast nichts. Das neue
Wesen breitete sich vielmehr weiter nach Nordflandern aus,
und gewaltig zeigte es sich vor allem in der Welthandelsstadt
des Landes, in Antwerpen. Hier sollte im Oktober 1564