Niederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 368
ein calvinistischer Karmeliter verbrannt werden. Dem Exekutions—
zug folgte eine unabsehbare Menge; hingerissen von den düster
ertönenden Klängen des 131. Psalms brach sie los, als der
Henker an sein Handwerk ging, und die Gerichtspersonen mußten
vor ihren Steinwürfen fliehen, während es dem Henker noch
eben gelang, seinem Opfer den Kopf zu zerschmettern und den
Dolch ins Herz zu stoßen. Welchen Eindruck mußten Scenen
wie diese und verwandte hinterlassen! Der Protestantismus
nahm zu, und schon war er organisiert.

Im Jahre 1563 hatten sich, anscheinend zum erstenmal,
Beauftragte einzelner Gemeinden in Tournai, Armentidres und
Antwerpen zu förmlichen Synoden, zur Begründung einer
Kirche versammelt; 1564 bestanden in Antwerpen bereits
mehrere protestantische Gemeinden verschiedenen Glaubens.

Die Behörden konnten sich dem Eindruck all dieser bald
gekannten, bald nur mit geheimem Schauer geahnten That—
sachen nicht entziehen. Sollten sie nach den Plakaten handeln
und in Blut waten? Die Inquisition erlahmte ziemlich überall;
und als der entsetzliche Inquifitor Titelmans in Flandern
wieder wütete, wandten sich Ende 1564 zuerst die Brügger
Ratsherren, dann die flandrischen Stände Beschwerde führend
an Margareta. Die Bewegung der tieferen Schichten des
Landes ward damit durch die Landesvertretungen selbst auf—
schwellend zu den Stufen des Throns geleitet, und in der
Forderung nach Berufung der Generalstaaten fand sie wiederum
den umfassendsten Ausdruck.

Was sollte Margareta thun? Sie war in peinlicher
Lage. Der Staatsrat blieb schließlich der niederländischen
Mitglieder beraubt, so freundlich sich auch der hohe Adel nach
der Entlassung Granvelles eine Zeit lang gestellt hatte; darum
fehlte es ihm an jeder Verbindung mit dem empörten Volke.
Andererseits konnte die Statthalterin die Beschwerden nicht ein⸗
fach dämpfen oder überhören. Sie war finanziell beinahe ohne
Mittel; sie konnte die Truppen nicht ablöhnen; es war kaum
ein Zweifel, daß diese, fast unbezahlt seit 1363, bei dem ge—
ringsten Versuche, sie zu gebrauchen, meutern würden; sie