564 Sechzehntes Buch. Zweites Kapitel.
gegen die Aufstand drohenden Landsleute zu führen, war
vollends unmöglich. So blieb ihr nichts übrig, als sich zu
fügen.

Es geschah in der Form, daß sie Oranien gegenüber ihre
Einwilligung zur Absendung einer Gesandtschaft gab, die in
Madrid dem Könige das Los der Niederlande und die Forde—
rungen des Volkes ans Herz legen sollte. Die Instruktion der
Gesandtschaft aber wurde auf eine feurige Rede Oraniens in
dem nun wieder vollzähligen Staatsrat dahin gefaßt, daß mit
dem System der Plakate und Inquisition zu brechen sei; daß
Seine Majestät aufzuklären sei über die Korruption im öffent—
lichen Dienst, vor allem in der Rechtspflege; daß der Staats⸗
rat seiner Bestimmung gemäß frei zu jeder wichtigen Beratung
hinzugezogen und durch etwa zehn bis zwölf neue Mitglieder
verstärkt werden möchte; daß endlich die Regierung des Landes
nicht mehr ohne Berufung der Generalstaaten geführt werden
dürfe.

Im Januar 1565 ging Egmont als Vertrauensmann des
Landes mit diesen Instruktionen nach Spanien. Der König
empfing ihn aufs ehrenvollste; er umstrickte den schwachen Mann
mit Liebenswürdigkeiten; er zog die Antwort hin, bis der Graf
seinen Auftrag und die Not der Niederlande fast vergessen
hatte. Endlich, Anfang Mai, kam Egmont mit einem vor—
läufigen Bescheide zurück. Er lautete verzögernd: eine Anzahl
gelehrter und frommer Männer solle beraten, was in den schweren
Dingen der Religion zu thun sei. Von Margareta berufen,
tagte die Neunerkommission dieser Männer Ende Mai — und
zeschloß, daß alles beim alten bleiben möge.

Sollte das etwa das Ergebnis aller Anstrengungen des Landes
und des Staatsrats sein? Noch mußte die endgültige Antwort
des Königs eine günstige Lösung bringen. Am 14. November end⸗
lich traf sie im Staatsrat ein. Sie lautete auf nachdrücklichste
Aufrechterhaltung der Inquisition und aller hierarchischen Ord—
aung, auf Durchführung der Religionsedikte, vor allem auch
auf Ablehnung jeden Tagens der Generalstaaten, es sei denn
zuvor kirchliche Ruhe geschaffen.