Niederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 565
Der König konnte den Führern des hohen Adels kein
trefflicheres Agitationsmittel zur Hand geben, als diese
Antwort. Auf Anraten Oraniens, Egmonts, Hoornes wurde
ihr Inhalt am 18. Dezember 1565 den Statthaltern und
obersten Gerichtsbehörden bekannt gegeben. Inquisition und
Plakate sollten nun stracks gehandhabt werden; zugleich
ward die wiederholte Publikation der Tridentiner Beschlüsse
eingeschärft.

So wurde der königliche Bescheid im Lande bekannt, und
die Wirkung war die eines Sprengmittels. In Antwerpen, jetzt
dem geistigen Haupt des Landes, leerten sich die Kaufhallen
und Werkfstätten; die Fremden begannen wegzuziehen; zugleich
forderten öffentliche Anschläge zur Ermordung der Geistlichkeit
auf, und auf den Straßen verlas man Pasquille und sang
Spottlieder auf Regierung und Klerus. Und mächtig ver⸗
breitete sich die Bewegung auch in die Kleinstädte und Flecken.
Die Statthalter aber weigerten sich, nach Margaretas In—
struktionen zu handeln; es herrschte halbe Anarchie, die Regie⸗
rung war machtlos.

So trat die Bevölkerung des Landes selbst aktiv hervor;
und an ihre Spitze stellte sich jetzt ein Element, das bisher
mehr zurückgehalten hatte, der niedere Adel. Freilich waren
seine Kreise schon längst nicht mehr zufrieden gewesen. Der
Luxus der Bürger hatte sie bereits vor Menschenaltern zu ohn—
mächtiger Nachahmung verdammt und dadurch wirtschaftlich er—
aiedrigt; neuerdings waren auch die Kriege seltener geworden, die
neben dem Austoben roher Leidenschaften vor allem die Ein—
nahme reicher Lösegelder gebracht hatten. Und kein neues Ideal
war an Stelle der alten, verlorenen getreten. Zwar gab es einige
Edelleute, die zugleich Theologen oder Philologen, Stilisten
oder Dichter, Rechtsgelehrte oder Diplomaten waren — denen
der Segen der tiefgefurchten humanistischen Bildung zu gute kam.
Aber sie waren Ausnahmen, wie nicht minder die religiös Er—⸗
griffenen. Im allgemeinen lebte der Stand zwecklos dahin, bereit
zur Erregung von jederlei Aufruhr. Da fand er nun jetzt
ein günstiges Feld — mit fast elementarer Leidenschaft begann