566 Sechzehntes Buch. Zweites Kapitel.
er den neuen revolutionären Zielen nachzujagen — bis er
an ihnen zu Grunde ging.

Führer auf diesem Wege waren vor allem Ludwig von
Nassau, der lebenslustige, fatalistisch-kühne Bruder Oraniens;
Brederode, im häufigen Trunke ein Polterer und Prahlhans,
bei nüchternen Sinnen tapfer und scharfsinnig, nicht ohne
Mutterwitz und irisierenden Humor; endlich Marnix von
St. Aldegonde, eine alttestamentlich leidenschaftliche Natur,
Dichter, Gelehrter und Held, nach katholischer Erziehung durch
Calvin hinweggehoben über die Eindrücke seiner Kindheit und
von so glühendem Protestantismus, daß er in seinem „Bienen—
korb der heiligen römischen Kirches! das Papsttum nicht mehr
des Angriffs, sondern nur noch des Spottes für wert hielt.

Diese Männer brachten Bewegung in die gärungsreifen
Kreise des niedern Adels. Ludwig von Nassau hatte schon im
Sommer 1565, als die Antwort König Philipps noch ausstand,
mit einigen vom Adel zu Spa konspiriert; die Beratungen
wiederholten sich im Dezember. Und nun kam es zum Ent—
wurf eines Schriftstückes, in dem ein heiliger Bund der Unter—
zeichnenden zur Abschaffung der Inquisition und der Plakate
errichtet ward; wahrscheinlich von Marnix verfaßt, wurde es
in den ersten Monaten des Jahres 1566 von Schloß zu Schloß
kolportiert und bedeckte sich bald mit mehr als zweitausend
Unterschriften.

Während aber so der Adel sich zwar zusammenfand, aber
doch noch nicht völlig klar war über die Mittel wirklicher Aktion,
hatten die praktischeren calvinistischen Kaufleute von Antwerpen,
die bevorzugtesten Träger der steigenden geldwirtschaftlichen
Bewegung, übrigens im Einvernehmen mit Ludwig von Nassau,
bereits gehandelt. Auch sie hatten einen Bund geschlossen, aber
mit der bestimmten Absicht, durch einen Gesandten im Reiche,
vor allem bei dem calvinischen Kurfürsten von der Pfalz,
ihre Not zu klagen und dessen Fürsprache bei König Philipp

1Zuerst erschienen 169 (De Byenkorf der heil. Roomsche Kerckeé).
bis 1671 22 Auflagen.