Niederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 567
zu erwirken. Am 17. Dezember 1565 war der Advokat Giles
Le Clerc von Tournai zu diesem Zwecke nach Deutschland ab—
gefertigt worden.

Was aber hierüber hinaus noch not that, das war vor allem
einiges Handeln. Das hat dann Oranien, gegen den Willen
vieler seiner bisherigen Freunde, vor allem Egmonts, zu stande
gebracht: zwar nicht offen, nicht vollkommen durchsichtig, aber
um so wirksamer trat der Mann, der bisher die Opposition
des hohen Adels geführt hatte, jetzt, entsprechend einer schon
längst durch seinen Bruder Ludwig vermittelten Haltung, an
die Spitze der Opposition auch des niederen Adels und des
kaufmännischen Bürgertums. Und klar war ihm, was da zu⸗
nächst zu thun war. Die alten Forderungen: Abschaffung der
Religionserschwernisse, Berufung der Generalstaaten, mußten
beibehalten werden; aber nachdem sie vergebens vom hohen Adel
befürwortet worden waren, mußten sie jetzt der Statthalterin als
Bedürfnis der Mittelstände noch dringender ans Herz gelegt werden.

Am 5. April 1566 bewegte sich ein merkwürdiger Zug
durch die Straßen Brüssels. Paarweise zogen niederländische
Adlige, an die sechshundert Mann, von dem Culemborgschen
Hause zu dem Palast der Statthalterin, um ihr eine Petition
vorzutragen. Und Margareta, eingeschüchtert durch allerlei im
Staatsrat vorgetragene Gerüchte von kriegerischen Rüstungen,
dazu ihrer Truppen thatsächlich nicht sicher, empfing sie. Auf⸗
hebung der Plakate, Berufung der Generalstaaten — das waren
ihre Forderungen. Margareta wagte nicht zu widerstehen.
Doch mit der duldungsgewandten Tapferkeit ihres Hauses fand
sie einen Ausweg. Die Inquisition werde gemildert werden;
im übrigen werde sie an den König befürwortend berichten: über
die Generalstaaten kein Wort.

Aber der Adel fühlte sich Sieger. Am Abend des Tages,
da Margareta geantwortet hatte, fand im Culemborgschen
Palast ein wildes Gelage statt; unter dem Jauchzen der Zechgenossen
wurde der Parteiname der Geusen angenommen ; angeblich in
Parodie einer verächtlichen Charakteristik, die ihnen von einem
Mitgliede des Staatrats geworden war, wollten die Edelleute

Lamvprecht. Deutsche Geschichte. V. 2. 87