568 Sechzehntes Buch. Zweites Kapitel.
als Bettler mit hölzernem Napf und lederner Tasche „treu zwar
dem König bis zum Bettelsack“, doch vor allem dem Lande
dienen.
Merkwürdig aber wirkte ihr Erfolg im Lande. Aus tausend
Schlupfwinkeln traten jetzt die Protestanten hervor, mit ihnen
jubelnd über die Grenzen einziehende Verbannte der Inquisition.
Nicht mehr in Feld und Hain, — dicht an den Mauern der Städte,
ja in den Städten selbst trafen sie sich jetzt unter Gottes freiem
Himmel zu Gottes freiem Dienst; verschollene Wanderprediger
eilten aus der Ferne herbei und redeten in neuen Zungen;
Plakate Margaretens gegen das Unwesen halfen nichts mehr,
ja konnten in Antwerpen nicht einmal veröffentlicht werden:
die Zeit der Glaubensfreiheit schien nahe herbeigekommen.

Sollte unter diesen Umständen der niedere Adel feiern?
Gewiß war er teilweis katholisch, und nicht eigentlich für die
protestantische Sache war er auf dem Kampfplatz erschienen.
Aber wie er schon früh mit den protestantischen Kaufleuten
Antwerpens in Verbindung getreten war, so sah er sich doch
immer mehr in seinen Zielen denen des Protestantismus ge—
nähert; ein engerer Zusammenschluß ließ sich kaum noch um—
gehen.
In St. Trond, Mitte Juli 1566, kam er zu stande. Hier
tagten Adlige, Lutherische und Reformierte; und man beschloß,
daß jedem bescheidenen Religionsdienst bis zur Berufung der
Generalstaaten der Schutz des Adels zur Seite stehen solle. Zu—
gleich aber kam es bald darauf zu weiteren Verständigungen.
Die Kaufleute Antwerpens und anderer Orte schossen jetzt,
da man ersah, daß das frühere Hilfsgesuch beim Reiche keine
Frucht getragen, Gelder zusammen, mit denen der Adel Söldner
in Deutschland werben sollte: da der Kaiser und die Fürsten
lau blieben, so war man bereit zur Selbsthilfe.

Und gleichzeitig ging man gegen die heimische Regierung
weiter. Zur Ausführung des Versprechens, das sie den Adligen
gegeben, hatte Margareta die sog. Moderation, mäßigende Be—
stimmungen über die Ausübung der Inquisition, ausarbeiten