Niederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 569
lassen. Aber dies Elaborat genügte den erregten Gemütern
keineswegs; als Morderation ward es verhöhnt und verspottet.
So erwartete man von Margareta nichts mehr, und man be—
schloß, sie zu entmündigen. Am 30. Juli überreichte ihr ein
Ausschuß von zwölf Adligen, die zwölf Apostel, wie sie im
Volksmunde hießen, unter persönlicher Führung Ludwigs von
Nassau, unter geistiger Leitung Oraniens, eine neue Bittschrift.
Sie enthielt das Gesuch, die Statthalterin möge Oranien,
Hoorne und Egmont mit den weiteren Verhandlungen, mit dem
Schutze des Landes und mit der Vollmacht, Truppen zu werben,
betrauen: sie forderte die Abdankung Margaretens zu gunsten
eines Triumvirats niederländischer Großen.

Sollte das das Ende der spanischen Herrschaft sein? Ge—
ängstet, bedrückt, vorwärtsgestoßen, sagte Margareta eine Ant—
wort zum 20. August, nach vorheriger Beratung mit den Vließ—
rittern, zu.

Da kam ihr unerwartete Hilfe.

Je mehr sich den niederländischen Protestanten die Aus—
sicht eröffnet hatte, auf gewaltsamem Wege zur Anerkennung
ihres Glaubens zu gelangen, um so mehr hatten unter ihnen
die Calvinisten die Führung übernommen; während die Luthe⸗
rischen sich ihres stillen Glaubens genügen ließen, und die Wieder—
täufer, lüngst wiederum quietistisch gestimmt, sich auf Grund
ihrer Überzeugungen jedes Eingriffs in die öffentlichen Angelegen-
heiten enthielten, drängte gerade die calvinische Überzeugung
jetzt vorwärts, denn ihr Ideal war die Einverleibung des Staats
in die Kirche. Und der aktionsfähige Geist traf auf aktions—
lustige Massen. Lange Zeit hindurch war die protestantische
Bewegung, soweit sie den Staat für sich zu gewinnen gesucht
hatte, aristokratisch gewesen trotz der weiten Verbreitung des
neuen Glaubens gerade in den niederen Klassen; vor allem die
Großkaufleute hatten ihr angehört. Jetzt aber, wo das Wort
niemand mehr verschlossen schien, wollten auch die niedrigsten
Kreise reden. Und wie wurden ihre rohen Leidenschaften auf—⸗
gerüttelt durch die Ausbrüche des Hasses bei den heimkehrenden
Emigranten, durch das Gedenken erlebter Martyrien, durch die

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