572 Sechzehntes Buch. Zweites Kapitel.

IV.

So schien endgültig Ruhe hergestellt. In allen Nöten
hatte die Statthalterin sich schließlich doch bewährt; am
22. April war ihr schlimmster Feind, Oranien, vor ihr flüchtig
nach dem Reiche entwichen. Glückliche Zeiten schienen für die
Regierung in Aussicht.

Aber Philipp hatte längst anders beschlossen. Während
in den Niederlanden sich alles beugte, ertönte das Trompeten⸗
zeschmetter eines spanischen Heereszugs von den Alpen her,
und am 22. August 1567 hielt Alba mit den glänzendsten
Truppen der damaligen Welt, 1000 Mann zu Roß, etwa
18 000 Mann zu Fuß, seinen Einzug in Brüssel.

Nach anfänglichem Schwanken, ob er nicht selbst nach den
Niederlanden gehen solle, hatte König Philipp den Ferdinand
Alvarez de Toledo, Herzog von Alba, zu seinem Stellvertreter
in den aufrührerischen Landen bestimmt. Er wußte, wen er
sandte. Alba, damals sechzigjährig, sah auf eine Reihe hoher
Ahnen und eine große Summe persönlicher Verdienste in
Krieg und Frieden zurück; keinen besseren Feldherrn hätte der
König erwählen können. Aber er war auch als Staatsmann
nicht unbedeutend; entgegenkommend, väterlich fürsorgend für
den, der sich ihm unterwarf, galt er als furchtbarer Systema—
tiker des Hasses gegenüber hartnäckigen Gegnern. Dann konnte
er blutdürstig sein und hinterlistig, habsüchtig und hart: es
waren die Eigenschaften, die sich in den Niederlanden bald un—
ablässig zum Entsetzen lebender und künftiger Geschlechter be—
thätigen sollten.

Indes nicht sinnlos zu strafen war der Absicht Philipps
nach die Aufgabe Albas. War man aber jetzt, wo das Land
im Innern beruhigt war, fremden Angriffs, der Einmischung
der Protestanten Englands, Frankreichs, Deutschlands sicher?
Auf die erlittenen Demütigungen hin die monarchische Gewalt
absolut und gegen jeden Angriff fest zu begründen, das war
das von Philipp gesetzte Ziel. Freilich bedeutete das Kassierung