Niederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 575
lassen und zu diesem Zwecke den lästigen Bewilligungsapparat
der Generalstaaten und Provinzialstaaten durch ein einfaches
königliches Ausschreibungs- und Verordnungsrecht zu ersetzen.
Die hierzu eingeleiteten Maßregeln waren systematisch in⸗
einander eingegliedert, und klug erschienen sie dem ohne die
Imponderabilien des Volkslebens rechnenden Verstande. Am
21. März 1569 legte Alba den Generalstaaten zunächst das
Projekt einer einmal zu erhebenden Steuer von 10/0 alles
Vermögens vor; es wurde nach einigem Anstand der Überlieferung
gemäß bewilligt. Daneben machte er, nach dem Muster der
spanisch-arabischen Steuer der Alcabala, einen weiteren, für
die Verhältnisse eines Handelsvolks wahrhaft ungeheuerlichen
Vorschlag: dauernd sollten 50/0 des Wertes bei jedem Verkauf
von Immobilien, 100/0 des Wertes bei jeder Veräußerung oder
Vererbung von Mobilien als Steuer erhoben werden. Es
waren geradezu unmögliche Steuerhöhen; gleichwohl setzte Alba
ihre Genehmigung bei fast allen Provinzialstaaten, welche die
Sache von den Generalstaaten zur Beratung erhalten hatten,
durch, wenn auch nur mit den elendesten Mitteln des Terroris—
mus. Was aber war dabei seine Absicht? Niemals konnte
die bewilligte Steuer ganz erhoben werden; es wäre der Ruin
des Landes gewesen. Aber dafür war sie jetzt zeitlos gemacht
und dauernd in der verlangten Höhe bewilligt. So war es
möglich, sie unter Anwendung des königlichen Verordnungs⸗
rechts — gleichsam noch im Gnadenwege! — zu ermäßigen:
bis zu einer unmöglichen Belastungshöhe hinauf war das Be—
steuerungsrecht den Ständen genommen und diese selbst damit
in ihrer Thätigkeit überflüssig gemacht, in ihrem Dasein gefährdet.
Von dieser Auffassung aus, mit deren Zulassung der
staatischen Entwicklung das Herz ausgebrochen war, schrieb
dann Alba Mitte 1571 selbständig geringere Steuern aus.
Und lautlos ertrug das Land zunächst das neue Verfahren.
Aber auch diese Steuern waren noch unerträglich hoch.
Und was schlimmer war, sie trafen den Kleinverkehr, den ge—
meinen Mann, der nichts mehr zu verlieren hatte. Und so
bewirkten sie, was keine inquisitorischen Schrecken, keine mili—