Niederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 579
gesetzmäßige, den Gebräuchen und Rechten dieses Landes ent⸗
sprechende Veränderung darauf gefolgt wäre“.

Aber konnte Alba diese Auffassung anerkennen? Als Hohn
mußte sie ihm erscheinen — und längst schon war er nach
Süden wie Norden hin dem Kampfe mit Kampf, der Gewalt
mit Gewalt begegnet.

Vor allem im Süden lag ihm daran, Ruhe zu schaffen.
Noch hatte Frankreich an Spanien nicht offen den Krieg erklärt;
wurden seine ersten Erfolge rasch vereitelt, so mochte es sich
wohl bedenken, den großen Schritt zu thun. So erschien schon im
Juni 1572 Albas Sohn Don Fadrique vor Mons, um die Stadt
zu belagern; und bald schlug er ein aus Frankreich nahendes
Entsatzheer. So war für Mons, die französische Besatzung wie die
ralvinische Bevölkerung, Heil nur noch von Oranien zu erwarten.
Unter unglaublichen Schwierigkeiten hatte dieser inzwischen
am Niederrhein ein Heer zusammengebracht; jetzt brach er über
Roermonde vor, erschien Ende August in Brabant, nahte, ein
Retter, dem Hennegau.

Da hörte er die zerschmetternde Nachricht von der Bartholo—
mäusnacht, vom völligen Umschlag der französischen Politik —
seines Bleibens im niederländischen Süden war nicht mehr.
Ludwig von Nassau, jetzt völlig sich selbst überlassen, mußte
Mons übergeben, und ein furchtbares, acht Monate andauerndes
Blutregiment zeigte der protestantischen Bevölkerung der Stadt,
vas es bedeutete, Alba trotzen.

Inzwischen war Alba mit den im Süden frei gewordenen
Truppen dem Norden zugezogen. Gedeckt durch die geldrischen
Festungen wollte er besonders Holland bestrafen. So zog sein
Sohn, nachdem er die Binnenlande östlich des Zuidersees unter—
worfen, unter anderem in Zutphen die Besatzung über die
Klinge gejagt und neben vielem Morden 500 Bürger ertränkt
hatte, über Amsterdam gegen Haarlem. Haarlem vor allem
mußte genommen werden; dann war der Zusammenhang zwischen
Nord- und Südholland durchschnitten, und das Divide et impera
tonnte befolgt werden. Aber wie zäh hielt sich die Stadt!