584 Sechzehntes Buch. Zweites Kapitel.

Am Tage vor der Antwerpener Furie war in Luxem—
burg, der Hauptstadt fast der einzigen Spanien treu gebliebenen
Provinz, von wenigen Dienern begleitet ein fremder Ritter ein—
gezogen. Es war Don Juan d' Austria, der neue Statthalter
der Niederlande. Halbbruder König Philipps, umstrahlt vom
Glanze seiner Siege über die Morisken in Granada und über
die Türken bei Lepanto, sollte er nach dem Willen Philipps
in den Niederlanden die königliche Gnade verkünden und in
unbezweifelter, friedlich-stiller Autorität Ruhe schaffen: Ruhe
selbst um den Preis mancher königlichen Prärogative, wenn nur
die Stellung der katholischen Kirche gewahrt werde. Aber hitzig,
bis zum Wahnwitz ruhmgierig und durch Ausschweifungen und
rücksichtslose Zumutungen an seine Lebenskraft gelegentlich einem
wahren Paroxysmus der Erregungen zugedrängt, trug Don Juan
ganz andere Pläne in seiner Brust. Gewiß, rasch sollten die
Niederlande beruhigt werden; dann aber wollte er seinen Fuß
über die Meerenge auf Englands Boden setzen, wollte die ge—
fangene Maria befreien und als Englands katholischer König
im Bunde mit Spanien der Welt gebieten.

Die Generalstaaten zu Brüssel, denen Don Juan seine Er—
nennung und Ankunft freundlich anzeigte, die er zugleich zu
Unterhandlungen einlud, konnten nicht umhin, sich auf sein
Angebot einzulassen: freilich gegen den Willen Oraniens, der
in solchem Entgegenkommen eine erste bedenkliche Regung des
südniederländischen Katholizismus erblickte. In der That legte
am 3. Dezember eine Deputation der Generalstaaten Don Juan
die Bedingungen vor, unter denen das Land ihn aufnehmen
wollte: Amnestie, Abzug der spanischen Truppen, vor allem
Aufrechterhaltung der alten Verfassung und Anerkennung der
Genter Pacifikation und damit auch der Duldung des Pro—
testantismus überall, seiner Herrschaft aber in Holland und
Seeland.

Die Auseinandersetzung über diese Bedingungen bedeutete