Niederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 585
für die Rechte des Statthalters wie für den Inhalt des Genter
Friedens eine gleich harte Probe. Niemals, so schien es, würde
sich Don Juan namentlich auf die konfessionellen Bestimmungen
von Gent einlassen können.

Da fand die gemäßigte, Oranien abgeneigte Partei des
Südens ein Mittel, sie ihm schmackhafter zu machen. Unter
dem Namen der Union von Brüssel verbreitete sie ein Schrift—
stück zur Unterschrift, das als den anzunehmenden Inhalt des
Genter Bundes vor allem die Aufrechterhaltung der alten Ver—
fassung und die Befreiung des Landes von spanischen Garnisonen
hervorhob, die kirchlichen Fragen dagegen, vor allem die be—
sondere Stellung Hollands und Seelands, im Zweifel ließ.

Die Partei Oraniens wandte alle Mühe auf, die Unter—
zeichnung dieses Schriftstückes zu hintertreiben. Und gewiß
konnte sie sich dabei auf die niederen Kreise des Volkes in fast
allen Großstädten auch des Südens verlassen. In dem langen
Kampfe gegen die spanische Obergewalt waren vor allem die
höchsten Volksschichten, vorweg der Adel, wenigstens Flanderns
und auch Brabants, dezimiert worden; immer mehr begann
das Bürgertum, besonders auch in seinen niedrigeren, radikal—
calvinisch gesinnten Bestandteilen, hervorzutreten. Aber noch
waren es diese Kreise nicht, welche die Meinung der General—
staaten und der durch sie regierenden höheren Schichten der Be—
völkerung stark beeinflußten oder gar beherrschten; ja eben ihre
weit über Oraniens Absichten hinausführende Maßlosigkeit war
es, die dem Schriftstück der Union zu lebhafter Förderung
diente: am 9. Januar 1577 wies es 257 Unterschriften be—
kannter Namen auf.

So wurden, grundsätzlich auf seiner Basis, die Verhand—
lungen mit Don Juan wieder aufgenommen. Sie führten am
12. Februar 1577 zum Abschluß; in einem ewigen Edikt er—
kannte der Statthalter den Genter Frieden, doch ohne Er—
wähnung der Sonderstellung Hollands und Seelands, an und
versprach den Abmarsch der spanischen Truppen. Darauf hielt
er am 1. Mai 1577 seinen feierlichen Einzug in Brüssel; ein
neues Leben schien in Frieden beginnen zu wollen.

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