586 Sechzehntes Buch. Zweites Kapitel.
Aber längst schon hatte Oranien die Grundlagen der von
ihm gefürchteten neuen Statthalterschaft unterhöhlt. Er hatte,
wenn auch zunächst vergebens, in England und Frankreich son—
diert wegen Annahme einer irgendwie gearteten Herrschaft über
die Niederlande, und namentlich den ehrgeizigen Herzog von
Alençon, späteren Herzog von Anjou, den Bruder König
Heinrichs III von Frankreich, hatte er mit Träumen künftiger
niederländischer Gewalten erfüllt. Er hatte sich ferner noch
mehr als bisher in den Großstädten auch des Südens, nament—
lich in Gent und Brüssel, blind anhängliche radikale Parteien
geschaffen. Er begann endlich jetzt, den Norden enger aneinander
zu schließen; Utrecht zeigte Neigung, sich an den besonderen
Bund Hollands und Seelands anzugliedern, nicht minder einige
andere binnenliegende Lande.

Wie sollte nun Don Juan, waffenlos, wie er war, dem
allen entgegentreten? Er führte Verhandlungen mit Oranien,
um ihn an Spanien zu fesseln. Aber vergebens waren alle
Lockungen. So blieb seinem leidenschaftlichen Sinne, der sich
mit Ungeduld in die unerträglichen Fesseln langatmiger Ver—
handlungen und heimlicher Intriguen verstrickt sah, nur ein
Ausweg: die Gewalt. Schon früh schrieb er an Philipp,
Seine Majestät möge sich bereit halten, seine und Gottes Ehre
in einem höchst grausamen und schrecklichen Kriege zu ver—
teidigen, und am 24. Juli 1577 bemächtigte er sich, gelegentlich
einer Reise nach dem Süden, plötzlich des Kastells von Namur.
Es war, militärisch betrachtet, ein ausgezeichneter Schachzug:
die Maasgegend beherrschend, lehnte der Statthalter sich jetzt
nach Osten zu an Luxemburg an, die einzige treue Provinz,
und im Westen hatte er die Nachbarschaft des starken katholischen
Adels der südlichen Grenze.

Aber die Generalstaaten verstanden, was gemeint war.
Oranien zog jetzt sieghaft, am 28. September, in Brüssel ein;
zum erstenmal sah er die Stadt wieder, in der Egmonts
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sich wieder in den Räumen seines von Alba geplünderten
Palastes: vollkommen erschien er Herrscher des Landes.