VNiederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 587
Es war eine Lage, die den gemäßigten, namentlich den
katholischen und katholisierenden Bestandteilen der Generalstaaten
unhaltbar erschien; sollten zudem die Südprovinzen, bisher
weitaus das Centrum der politischen wie der kulturellen Ent—
wickelung der Lande, ein in der Person Oraniens so offen aus—
gedrücktes Ubergewicht des Nordens anerkennen? Sie be—
schritten einen Weg, den sie in anderer Lage schon öfters ein—
geschlagen hatten; sie suchten die Hilfe des Reichs, vor allem
des Kaisers. Bereits im verflossenen Jahre hatte sich ihnen
Matthias, Kaiser Rudolfs II. Bruder, ein leichtlebiger und leicht—
sinniger Herr, der spätere Kaiser, zum Statthalter angeboten,
wie denn die deutschen Habsburger schon längst Philipp um
die Ernennung eines Erzherzogs zum Statthalter angegangen
hatten; jetzt erschien er auf Begehren der Staaten am
29. Oktober in Diest, bereit zur Ubernahme von Don Juans
Herrschaft.

Aber schon war Oranien diesem Eifer zuvorgekommen.
Am 17. Oktober hatte seine Partei in Brüssel vorgeschlagen, daß
er zum Ruwaard von Brabant ernannt würde; bald darauf
nahmen seine Helfershelfer in Gent den Herzog von Aerschot,
den auf staatischer Seite stehenden Statthalter von Flandern,
gefangen. Es waren Maßregeln, wodurch die Generalstaaten
veranlaßt wurden, nunmehr Don Juan abzusetzen und am
10. Dezember eine neue allgemeine Konföderation jetzt aller
17 Provinzen, die sogenannte zweite Brüsseler Union, ein—
zugehen. In ihr erreichte Oranien seine letzten innerstaatlichen
Ziele; auf der Grundlage des Genter Bundes wurde jetzt das
reformierte Bekenntnis als völlig gleichberechtigt neben dem
katholischen anerkannt.

Erst nachdem dies alles geschehen, ließ Oranien Matthias
als Statthalter zu, als dekoratives Element der neuen, im
Grunde republikanischen, doch ganz unter der Autorität Oraniens
stehenden Verfassung. Als „Greffier des Prinzen“, wie ihn
der Volkswitz bezeichnete, hat dann Matthias eine zeitlang den
Herrscher gespielt.

Inzwischen aber hatte auch König Philipp das Unhalt—