588 Sechzehntes Buch. Zweites Kapitel.
bare der Lage Don Juans eingesehen. Und noch einmal
machte er eine äußerste Anstrengung, mit ihm vereint den Weg
der Gewalt zu erzwingen. Er sandte außerordentliche Summen,
ein neues Heer zu werben; Prinz Alexander von Parma, ein
Sohn der Statthalterin Margareta, führte spanische Kern—
truppen heran; im Beginn des Jahres 1578 sah sich Don
Juan in der Lage, einen entscheidenden Feldzug zu beginnen.
Und nichts fast hatten die Generalstaaten ihm gegenüberzu—
stellen; ihr elendes Heer wurde alsbald, schon am 81. Januar,
bei Gembloux von einem Teile der Truppen Don Juans zer—
rieben. So sah Don Juan freudig in die Zukunft. Aber eben
jetzt wurde er von Philipp nicht mehr genügend unterstützt.
Es zeigte sich, daß der Staatsschatz Spaniens, daß die Nation
erschöpft war. Vergebens bat Don Juan um Geld, um In—
struktionen. Philipp, völlig ohnmächtig, nahm die Vermittlung
des Reichs und des Kaisers an, und gebrochenen Herzens starb
der Sieger von Lepanto am 1. Oktober 1578, von einer pest—
artigen Krankheit dahingerafft.

Der Stellung Oraniens hatte die Niederlage der Staaten
bei Gembloux zunächst alles andere als geschadet. In der
Erwartung neuer Drangsale waren die Calvinisten noch radikaler,
als bisher, hervorgetreten; in Gent feierten sie ihren Sieg in
erneutem Bildersturm, in allen katholischen Städten nahmen
sie überhand und machten sich weit über Zahl und innere Be—
deutung hinaus geltend; und im Norden trat jetzt die letzte katho—
lisch widersetzliche Stadt, Amsterdam, auf Seite des Prinzen.
Es schien eine durchaus erfreuliche Wendung; im Grunde freilich
erweiterte sie die bestehenden Gegensätze der Bekenntnisse in
einem Grade, der der zukünftigen Gemeinsamkeit auch nur der
politischen Anschauungen im Bereiche aller Provinzen an—
scheinend vorgriff.

Vorläufig indes bedurfte es, nachdem die innere Einheit ge—
wonnen war, vor allem des Schutzes nach außen. Und hier
lagen Aufgaben, denen der Kopf Oraniens besonders gewachsen
schien.

Drei protestantische Mächte kamen hier, wie vor alters,