594 Sechzehntes Buch. Zweites Napitel.
entgangen. Jetzt traf eine zweite Kugel besser; am 10. Juli 1584
ward Wilhelm von Oranien zu Delft, nahe dem Speisesaal
des baumumschatteten Statthalterhofes, ermordet. Seine letzten
Worte galten seinem Volke.n

Parma wußte wohl, daß er mit Oranien den einzigen
ebenbürtigen Gegner verloren hatte. Das Schicksal der Süd—
staaten war jetzt besiegelt. Hatte sie schon Oranien nur unter
den größten Schwierigkeiten beiden nördlichen Provinzen
festhalten können, wie sollte das nach seinem Tode gelingen?
Zwar thaten die Generalstaaten der vereinigten Provinzen alles,
was in ihrer Macht lag, Oranien zu ersetzen; schon einen Tag
nach dem schrecklichen Ereignis verkündeten die sechzehn in
Delft anwesenden Mitglieder der Staaten, daß sie mit Gottes
Hilfe die gute Sache bis zum AÄußersten schützen wuͤrden, ohne
Sparung Blutes und Gutes; und im August 1584 fand eine
Rekonstruktion der obersten Regierung unter der Leitung
Moritzens, des zweiten Sohns des Oraniers, statt, der sich außer
den Staaten der Nordprovinzen auch die von Mecheln, Brabant
und Flandern noch unterzogen.

Allein schon waren die wallonischen Teile der Südprovinzen
abgefallen. Von ihnen war der Vertrag von Arras ausge—
gangen; sie hatten schon im Mai 1582 eine Unterwerfungs—
botschaft nach Madrid gesandt. Dann hatte Parma, auf sie und
ein gutes Heer von 60 000 Mann gestützt, die ersten germanischen
Bestandteile des Südens unterworfen: Eindhoven, Diest, Dün—
kirchen, Nieuwpoort, Brügge. Jetzt ging er weiter. Während er allen
Staaten Verzeihung unter den billigsten Bedingungen anbot,
freilich ohne im Norden Gehör zu finden, bedrängte er zugleich
Flandern und Brabant durch immer drohendere Kriegszüge.
Im März 1585 fiel Brüssel in seine Hand, im Juli darauf
Mecheln; schon schien das Land überhaupt zur Unterwerfung
bereit, und nur noch das stolze Antwerpen, jetzt unbestritten
die erste Stadt des Südens, widerstand ihm Aber er schloß
Uüber die Echtheit der Worte „Mon Dieu, aye pitié de moy et
du pauvre peuplé“ ist viel gestritten worden. S. dazu namentlich
Fruin im Gids 1884, 2, S. 244 f.