Niederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 595
es bereits enger und enger ein; vergebens suchte man Stadt
und Hafen zu entsetzen — und am 17. August 1585 mußte
auch das letzte Bollwerk südniederländischer Freiheit die Waffen
strecken.

Es ehrt Parma, daß er der Stadt glimpfliche Bedingungen
bot, wenngleich er durch das Verbot des protestantischen
Gottesdienstes ihre reichsten und unternehmendsten Bürger für
immer vertrieb und hierdurch dazu beitrug, die Stadt auf
Jahrhunderte ihrem eigentlichen Lebenselemente, dem übersee—
ischen Großhandel, zu entziehen. Aber mit Stolz konnte er
großmütig sein: mit dem Fall Antwerpens lagen die südlichen
Niederlande für immer zu seinen Füßen, sie waren Spanien
zurückgewonnen; und nur um den Kampf gegen Nordniederland,
gegen die in der engeren Union von Utrecht vereinigten Pro—
oinzen konnte es sich fürder noch handeln.
VI.

Wie leicht aber erschien in diesem Augenblicke ein Kampf
gegen die nördlichen Niederlande! Kaum aus dem alten
Verbande mit den südlichen Provinzen herausgetreten, schienen
sie alsbald innerer Zersetzung anheimzufallen.

Es ist schon betont worden, daß die früheren Jahrhunderte
eine höhere Kultur auf niederländischem Boden eigentlich nur
in den Binnenlanden, in Geldern, in Utrecht und in dem
früher seebeherrschenden Friesland mit seinen Zuiderseehäfen
gezeitigt hatten. Dementsprechend waren dort die alten Standes—
bildungen des 12. bis 16. Jahrhunderts vertreten, neben dem
Bürgertum ein nicht unbedeutender Klerus, der sich als sozial—
politische Schicht teilweis noch bis in die neuesten Jahrzehnte
hineingerettet hatte, sowie ein zahlreicher, wenn auch im
einzelnen nicht mächtiger Adel. Und in den Städten huldigten
die herrschenden Bürgerfamilien streng konservativen Tendenzen,
was denn schon seit der Wende des 15. Jahrhunderts,
wie im übrigen Deutschland, die Entstehung einer radikal ge—
sinnten Gemeinde zur Folge gehabt hatte. Besonders deutlich