Niederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 597

Toten der Union gleichsam besonders einverleibt hatten,
während sich etwa gleichzeitig der Syndikus der holländischen
Provinzialstaaten, der staatsmännisch glänzend beanlagte
Johann von Oldenbarneveld zum Syndikus der Generalstaaten
der Union überhaupt aufzuwerfen begann und damit eine
Verbindung von Amtern schuf, der sich heutzutage etwa die
Vereinigung der preußischen Ministerpräsidentenschaft mit dem
Amte des Reichskanzlers vergleichen läßt.

Eigen aber war die Art, in der diese inneren Gegensätze
der jungen Union zu Tage traten, und eigen die Art, wie sie
sich auslebten.

Nach dem Tode Oraniens und dem Fall Antwerpens
hatte die Union vor allem eine rasche Überrumpelung durch
Parma zu fürchten; nie schien die volle Wiederherstellung der
spanischen Herrschaft wahrscheinlicher, als damals. Die
Generalstaaten sahen dagegen nur eine Rettung, die Hilfe des
Auslands. Konnte man sich aber wieder an Frankreich
wenden, wie Oranien früher in verwandter Bedrängnis? Frank⸗
reich hatte inzwischen in dem Edikt von Nemours die Ausübung
jeder anderen als der katholischen Religion bei Todesstrafe
verboten. Oder war deutsche Hilfe zu erwarten? Das Reich
—
mation!. So blieb nur England. Und England, das eben
damals Frankreich spanischen Einwirkungen immer zugänglicher
werden sah, hatte in der That demgegenüber ein Interesse, die
Union zu halten. So kam am 10. August 1585, noch vor
dem Falle Antwerpens, ein Vertrag zwischen Königin Elisabeth
und den Deputierten der Generalstaaten zu stande, wonach die
Königin den Staaten eine kleine militärische Unterstützung sowie
die Gemeinsamkeit aller künftigen Friedensverhandlungen mit
Spanien versprach, während diese ihr die Städte Briel und
Vlissingen als Pfand überließen und sich verpflichteten, zwei Eng—
länder mit Sitz und Stimme in ihren Staatsrat aufzunehmen.

Auf Grund dieses Vertrages kam Lord Leicester, als

S. unten Kap. 3 Nr. III.