Niederländischer Aufstand; Gründung der nordniederl. Republik. 601
lichen Kriegsschauplatz wenig Aufmerksamkeit mehr geschenkt.
Um so ruhiger, systematischer gleichsam kräftigte die Union
ihre Heere; und von Belagerungen, deren Technik bald meister⸗
haft geübt ward, gingen Moritz und Wilhelm Ludwig mit ihren
jungen Truppen schließlich sogar zu dem Wagnis offner Manöver
und zur Beteiligung an den franzöfisch-spanischen Feldzügen
über. Vor allem aber galt es die volle Befreiung der Heimat.
Da ward zunächst Breda den Spaniern durch kühnen Hand—
streich entrissen, dann folgte eine Anzahl kleinerer Festungen in
Nordbrabant; hierauf erlagen Zutphen, Deventer und Nymwegen
den Belagerern: endlich, in den Jahren 1392 - 1594, wurden
auch Steenwijk und Coevorden, Geertruidenberg und Groningen
genommen: der ganze Norden war vom Feinde gesäubert.

Inzwischen aber war es in den südlichen Niederlanden zu
beachtenswerten Veränderungen gekommen. Am 30. Januar 1594
war der österreichische Erzherzog Ernst, Schwager des Königs Philipp
und Bruder des Kaisers, als neuer Statthalter eingezogen; er
war mit starken Geldmitteln ausgestattet; man erwartete von
ihm ein energisches Vorgehen gegen den Norden und eine neue
Blüte des von so vielen Kriegsjahren schrecklich mitgenommenen
Südens. Nun trat freilich in der kurzen Zeit seiner schwachen
Regierung nichts dergleichen ein; als ihm aber sein Bruder
Albrecht, bisher Vizekönig von Portugal, folgte, ein Mann wahr—
haft königlichen Wesens und festen Auftretens, da konnte
man auf einen neuen Aufschwung der spanischen Angriffe ge—
faßt sein.

Die Generalstaaten suchten gegen diese neuen Verwicklungen
die alte Hilfe Frankreichs. Und nach manchem Zaudern ward
sie ihnen in unzweideutigster Weise gewährt; am 17. Januar
15985 erklärte König Heinrich IV. an Spanien den Krieg. Unter
diesen Umständen galt es, vor allem eine Gemeinsamkeit der
staatischen und der nordfranzösischen Kriegsführung gegen die
spanisch⸗niederländischen Truppen herzustellen; und schon im
Februar 1595 bemächtigte sich ein staatisches Heer zu diesem
Zwecke des lüttichschen Platzes Huy: er sollte über Luxemburg
die Verbindung mit den Franzosen sichern. Indes dieser günstige

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