304 Sechzehntes Buch. Zweites Kapitel.
von mancher Seite her, so im Reiche von der Pfalz, von
Brandenburg, von Ansbach und von Anhalt. Waren ihnen diese
Subsidien bei der immer stärkeren Belastung ihrer Kriegskasse
gewiß willkommen, so ließ sich doch nicht verkennen, daß deren
Genuß ihrer Diplomatie wie ihrer Kriegführung auch schwere
Verpflichtungen auferlegte.

Und so erschien denn Spanien im ganzen, trotz aller Er—
schöpfung, noch immer im Vorteil. Mendoza, Albrechts Stell—⸗
vertreter in den südlichen Niederlanden, brach im Herbst 1598
über die Maas und den Niederrhein vor, und nur mit Mühe
und durch überlegene Kriegskunst wußte ihn Moritz von dem
größten Teile Gelderlands fern zu halten. Erst im Jahre 1600
schien sich eine Wendung vorzubereiten; die staatischen Truppen
griffen über die rechten Uferlandschaften des Rheins hinaus
bis Venlo und eroberten das feste Wachtendonk.

Aber weitere militärische Fortschritte in der eingeschlagenen
Richtung wurden jetzt durch die Bedürfnisse der staatischen
Diplomatie abgeschnitten. Man vernahm im Haag von neuen
Anknüpfungen zwischen Spanien und England, und man empfand
ihnen gegenüber das Bedürfnis, Frankreich stärker für die
staatische Sache zu erwärmen. Das war nur möglich, wenn
der Kriegsschauplatz vom Rhein nach dem Ärmelkanal, von
Norden nach dem Südwesten, nach Flandern, verlegt ward.
Und so zog Moritz, wenn auch widerwillig, noch im Jahre 1600
mit einem stattlichen Heere zwischen Gent und Brügge hindurch
nach Nieuwpoort: war dieser Hafen erobert, so war man, auch
abgesehen von Ostende, im Besitze eines trefflichen flandrischen
Widerparts gegen den spanischen Seeräuberhafen Dünkirchen,
wahrscheinlich aber auch künftiger französischer Unterstützung
gewiß. Aber der Plan mißlang. Zwar siegte Moritz in der
Nähe Nieuwpoorts, aber die Stadt einzunehmen vermochte
er nicht.

Den Erzherzog aber hatte der Zug auf die Wichtigkeit
des Nieuwpoort benachbarten Ostende aufmerksam gemacht, das
sich noch im Besitze der Generalstaaten befand; im Juli 1601
begann er dessen dreijährige Belagerung. Vergebens suchte ihn