Protestantismus und Gegenreformation im Reiche. 609
Hier besonders vermochten sich die Fürsten Freunde zu
machen mit dem ungerechten Mammon der eingezogenen geist⸗
lichen Güter. Schon im Jahre 1543 hatte Kurfürst Moritz
von Sachsen aus altem Klostergut die noch heute blühenden
sächsisch-thüringischen Landesschulen zu Meißen, Grimma und
Schulpforte begründet. Jetzt schuf Herzog Christoph die
württembergischen Klöster zu theologischen Vorschulen um,
errichteten Kurfürst Friedrich IIII von der Pfalz und Landgraf
Philipp von Hessen eine Anzahl von Gymnasien und sorgten
für theologische Konvikte an den Universitäten Heidelberg
und Marburg. Und alledem traten noch weitaus glänzender
die stolzen Gymnasien der protestantischen Reichsstädte zur
Seite, um günstigenfalls fast zu kleinen Universitäten zu er—
wachsen: so die Anstalten zu Straßburg, Nürnberg und
Bremen.

Und daneben ward die Pflicht, für den Elementarunter—
richt zu sorgen, nicht versäumt. Fast überall stieß man auf
die regulierten Anfänge eines protestantischen territorialen
Volksschulwesens; schon die württembergische Kirchenordnung
des Jahres 1559 enthält den abgeschlossenen Plan der einfachen
protestantischen Dorfschule.

Diesen Bestrebungen entsprach nun, bei allen Mängeln
und allem gelegentlichen Wiederaufbrechen mittelalterlicher
Roheit, dennoch der Fortschritt auch der geistigen Haltung jenes
Teiles der Nation, der protestantisch war oder zum Protestan—
tismus hinstrebte. Bessere Bildung und protestantische
Neigungen begannen fast zusammenzufallen; selbst in den
grundsätzlich und von Herrschaftswegen durchaus katholischen
Territorien, wie z. B. in Bayern und Osterreich, gingen die höheren
sozialen Schichten zum Protestantismus über; in Wien wurden
auch Angehörige des augsburgischen Bekenntnisses zur Promotion
zugelassen; in den Rechnungen der Abtei St. Florian figurierte ein
Posten für Studiosi in Wittenberg; und am Hofe huldigte gar der
Thronerbe, Kaiser Ferdinands Sohn Maximilian, seit spätestens
dem Jahre 1555 Neigungen, die nach der protestantischen Seite
hingingen; in der Augustinerkirche, nahe der Wiener Hofburg,