312 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitei.
In Süddeutschland waren die Erfolge verwandten Vor—
gehens nicht gleich beträchtlich. Aber wirkten die protestantischen
Fürsten hier weniger im großen, so bemächtigten sie sich im
kleinen um so radikaler der katholischen Institute. In Württem—
berg zog man erbarmungslos Stifter und Klöster ein; in der
Pfalz wurden unter Friedrich III. von den 55 geistlichen In—
stituten etwa 40 beseitigt.

Das alles bedeutete nun, vornehmlich soweit es sich um
reichsunmittelbare Institute handelte, zugleich den Beginn
einer tiefgreifenden Anderung der deutschen Verfassung; denn
fiel das katholische Übergewicht der geistlichen Fürsten im
Reichstage hinweg, wurde auf diesem Wege auch das Kur—
fürstenkolleg wenigstens der Überzahl seiner Mitglieder nach
protestantisch, so hieß das die Protestantisierung der mittel—
alterlichen Verfassung des Reiches.

Und wer wollte dem entgegentreten? Der Kaiser? Ferdi—
nand J. war ein gewissenhafter Mann; aber niemand erwartete
von ihm übersprudelnde Initiative, zudem war er durch die
Türkengefahr in Anspruch genommen und dadurch von jeder
beharrlichen und folgerechten Politik im Reichsinnern abgelenkt.
Sein Sohn Marximilian II. aber, der ihm 1564 folgte, ent—
sprach fast ganz den protestantischen Wünschen; hatte man ihn
gewählt, damit die Krone bei Österreich bleibe, der deutschen
Vormauer gegen die Türken, so wußte man andererseits wohl,
daß er den konfessionellen Veränderungen im Reiche nicht ent—
zegentreten werde. Oder hätten etwa die katholischen Reichs—
stände dem Andrängen der Protestanten widerstehen sollen?
Gern hätten sie es, teilweis wenigstens, versucht. Indes die
Gesamtlage des Reiches war nicht derart, daß sie eine Stellung
fester Abwehr einnehmen konnten. Noch durchzitterten die Wehe—
rufe über die Abenteuer des tollen Markgrafen Albrecht von
Brandenburg-Kulmbach die Luft, und schon wieder traten in den
Maingegenden bis nach Thüringen zu, also gerade an den
Grenzen des kompakt gelagerten Katholizismus und Protestan—
tismus, neue Schwierigkeiten hervor, die niemand zu lösen
wußte; der fränkische Ritter Wilhelm von Grumbach begann